Nicht vernunftbegabt

Ich lebe noch…

Und darf mich wohl ausnahmsweise mal glücklich schätzen, zumindest äußerlich zu dieser ihren Namen nicht zu Recht tragenden Spezies „vernunftbegabter Mensch“ zu gehören. Wäre ich ein Wolf, müsste ich in Niedersachsen um mein Leben fürchten, wenn ich es gestatte, Menschen meinen Lebensraum betreten zu lassen und ich  ihnen dennoch nichts tue. Und wenn ich ihnen während meiner Streifzüge friedlich begegne   – und ihnen AUCH nichts tue  wenn sie mich mit Erde beschmeißen.

Zum Glück distanziere ich mich so gut wie es geht von dieser widerlichen und verachtenswerten Spezies so gut es geht – im Gegensatz zu dem Wolf, der wohl leider den Fehler gemacht hat, nicht in seinem Revier zu bleiben und es gewagt hat, auf Menschen zuzugehen – und zwar nicht, um sie anzufallen. Jetzt muss er damit rechnen, dass er aus dem Wolfrudel „ausgegliedert“ (CDU-Sprech), also im schlimmsten fall getötet wird.

Merke: Bist du kein Mensch, halte dich von den Menschen fern. Bist du ein Mensch, verhalte dich so, wie es die CDU will. Ansonsten läuft du Gefahr, „ausgegliedert“ zu werden.

So ein Verhalten ist der Grund, warum außerirdisches, friedliches, intelligentes Leben niemals Kontakt mit dem Homo-no-sapien aufnehmen wird.

Schakal

Quellen:

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Blog-Battle 12: Phobie

Phobien sind ein Thema, welches ich mir auch schon überlegt hatte, da es sehr viel Spielraum bietet, im Gegensatz zu  solchen Themen wie Vergissmeinnicht. Ups, erlaubt es sich der Schakal doch direkt im ersten Satz schon, etwas zu kritisieren. Heutzutage habe ich das Gefühl, dass es eine regelrechte Kritikphobie unter den Menschen gibt. Selbst wenn diese vorsichtig und sachlich formuliert wird, fühlen sich viele direkt auf den Schlips getreten und persönlich beleidigt. Unter anderem dieses Verhalten der Menschen, hat dazu geführt, dass ich mich selbst als anthrophob und Misanthrop bezeichne.

In den vergangenen Blogs habe ich ja öfter darüber geschrieben, was mir quasi täglich an den Menschen auf den Nerven geht. Mich wundert es überhaupt nicht, wenn man dann Meldungen liest, dass in manchen Städten der Anteil an Einzelpersonenhaushalten inzwischen bei über 40% liegt oder es immer mehr beziehungsunfähige Menschen gibt. Es ist doch kein Wunder, dass man scheu wird, wenn man von den vermeintlich so hoch entwickelten Menschen immer wieder enttäuscht wird. Was bringt es, sich den Menschen zu öffnen, wenn man über kurz oder lang doch hintergangen, verraten, benutzt und weggeworfen wird? Warum soll ich meine Zeit mit einer Spezies verschwenden, die konfliktunfähig bei der kleinsten Kritik jahrelange Freundschaften von heute auf morgen beendet? Warum soll ich mich politisch engagieren, wenn  man sieht, wie in Hinterzimmern die politische Marionetten sich von Lobbyistenpuppenspielern an der Nase herumführen lassen?

„Was blieb uns, als sich langsam zurückziehen?“ ist die Textzeile eines schönes Liedes von Mantus. Mit den Erlebnissen und Beobachtungen besonders der letzten Jahre habe ich mich inzwischen soweit eingeigelt, dass ich kaum noch wen am mich wirklich heranlasse. Nach Außen hin gebe ich mich gerne unnahbar und verschlossen und laufe mit einer Maske durch die Gegend. Dies und die umgebungsgeräuschundurchlässigen Kopfhörer sind mein alltäglicher Begleiter durch das, was die Menschen „Leben“ nennen.

Doch was ist es, dieses Leben? Wir laufen täglich dem Geld hinter her, warten auf Arbeit auf-die-Uhr-glotzend aufs Wochenende, was dann entweder mit Nichtstun oder Aktivitäten gefüllt wird, zu denen man in der Woche nicht kommt. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat das selbe Spiel. Dinge wie Konzerte, Gothic-Stammtische und ähnliches sind schon fast Highlights, nach denen ich mich sehne, um den grauen Alltag… schwarz zu gestalten.

Man soll sich selbst verwirklichen, soll sein Leben selbst gestalten wie man es möchte. Wie man es möchte? Ich möchte gern mal nach Norwegen. Was brauch man dafür? Geld. Und dazu noch ein Transportmittel, bei dem man sich wieder mit dieser Spezies abgeben muss. Wieder müsste man sich unerwünschter Gesellschaft in zu engen Platzverhältnissen hingeben. Und wieder würde man sich über dieses und jenes aufregen. Sieht so Urlaub aus? Entspannung? Das geht nur ohne Menschen. Beziehungsweise: Es geht nur unter Anwesenheit bestimmter Menschen.

Ausschließlich. Bestimmter. Menschen.

 Wenn ich mich unter die Menschen wage, fallen meine Blicke oft auf ihre vierbeinigen Begleiter. Die Leinenhalter interessieren mich nicht. Mit den meisten Hunde fühle ich mich – obwohl ich sie nicht kenne – eher verbunden, als zu den grauen gesichtslosen Einheitsgesichtern der Menschen. Hunde sind ehrlich. Sie zeigen dir, was sie fühlen, was sie wollen. Sie zeigen Ablehnung, Zuneigung, Angst und Freude offen.  Sie verstellen sie nicht. Nicht wie die Menschen. Nicht wie erwachsene Menschen. Kinder sind normalerweise ähnlich ehrlich und offen wie Hunde. Kein Wunder, dass die meisten Hunde gut mit Kindern klarkommen.

„Wer seine Kindheit verschenkt hat, der wird nie gelebt haben.“ und „Erwachsen sein ist halb gestorben.“ Zwei Textzeilen von Relatives Menschsein die gerade passenderweise im Hintergrund den Weg in mein Trommelfell finden. Eine Band, die es leider schon lange nicht mehr gibt. Die Musik – mein täglicher Begleiter und Beschützer durch die Welt der Menschen, für die ich größtenteils nur Verachtung empfinde. Eine Spezies, zu der ich ungefragt dazugehöre… dazugehören muss. An meiner Zimmerwand hängt ein Bild eines Wolfes. Ein Schandfleck ist jedoch auf dem Bild: Auf einer Sprechblase steht darunter: „Mensch, Wald!“. Wald gerne. Aber bitte ohne die in der Sprechblase durchgestrichenen Menschen.

 Der Wolf, der sich einst  den Menschen anschloss und von ihnen teilweise ausgerottet wurde. So danken die Menschen der Natur ihre Offenheit. Ihr Vertrauen. Ausgenutzt hat man die Tiere. So wie es die Menschen immer machen. Alles dem Zweck und dem Nutzen unterordnen.

 Es ist eben nicht der böse Wolf, der täglich Verderben über diese Erde bringt. Es ist der Mensch. Ausschließlich. Alles andere ist der Lauf der Natur.

„Es ist nur die Wahrheit ihrer selbst, die ich in ihren Augen sah.“ (Mantus)

Schakal. Kanid. Wolf? Hund? Anthrophobischer Misanthrop. Gefangen in der Hülle, die sich „vernunftbegabter Mensch“ nennt.

Heute melancholisch. Und ist ist auch meine Themenvorgabe.

 Die Melancholie.

 Weitere Phobiker:

Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
S
ebastian vom Pal-Blog
Mary von indubioprorea
C
helsea mit ihren vielen Dingen
Justine von Justine
the Lord himself

Alltagsidioten I: Über Überstunden, Überanstrengungen und Übermenschen

Diese Woche gab es gleich 3 Kandiaten, die sich das Prädikat Alltagsidiot auf die Stirn stempeln dürfen. Das sind für mich Leute, die auf Grund ihrer Äußerungen und/oder Handlungen, einem – wenn auch nur kurz – auf den Nerv gehen können. Kurz kommentiert hier also Eindrücke, die mir unter anderem diese Woche so begegnet sind:

Um den Grund für die erste Situation zu verstehen, muss ich kurz etwas ausholen: Ich arbeite in einem Unternehmen, in dem im Herbst und Winter normalerweise sehr viel zu tun ist und im Sommer teilweise so wenig, dass man ganz zu Hause bleiben kann. Dafür häuft man halt in den entsprechenden Monaten Überstunden an. Soweit, so logisch.Diese Woche bekamen wir samt ausführlicher Erklärungen eine Übersicht in die Hand, auf der stand, dass auf Grund des neuen Mindestlohngesetzes alle Überstunden aus 2013 bis Ende Januar 2014 sowie alle im Januar 2014 angefallenen Überstunden im Januar 2015 abgebaut werden müssen. Für Februar, März, usw. gilt zukünftig das selbe.

An sich logisch und aus Arbeitnehmersicht ein sinnvolles Gesetz, was zumindest in unserem Fall auch einfach umzusetzen ist – aus den genannten Gründen. Offensichtlich war das schon wieder zu viel für das durch Dschungelcamp zugemüllte Hirn der meisten meiner Arbeitskollegen. Da fielen Sätze wie „Da kann man ja gar nichts planen.“ „Wer denkt sich so einen Mist aus.“ „Die sollen sich um andere Dinge kümmern.“ Und so weiter. Hätte man mal für 10 Sekunden nachgedacht (und nachgerechnet), wäre man zu dem Schluss gekommen, dass man insbesondere im Sommer deutlich mehr Überstunden abbaut, als aufbaut. Und auch die anderen Fragen lassen sich einfach beantworten. Dass diese Gesetze dem immer weiter ausufernden Überstundenwahn zumindest etwas bremsen wollen, ist doch an sich was Gutes. Inwiefern das in jedem Betrieb umzusetzen ist, ist die andere Frage.

Gleichzeitig sind es genau die Leute, die im Sommer dann wieder mit wachsender Begeisterung bei 30 Grad im Großraumbüro ohne Klimaanlage sitzen, vor sich hin schwitzen und in ihr eh schon unerwünschtes Antlitz in noch unerwünschtere Presswursthüllen verpacken bzw. nicht verpacken müssen. Dazu passend lernte ich diese Woche ein Lied kennen, welches sehr gut dazu passt. Idisco von Farin Urlaub Racing Team. Hier ein Auszug: „Du bist umgeben von Idioten, lebendigen Toten. Du bist umgeben von Schwachmaten – sie wissen nichts, sie raten. Und haben immer recht.“

Die nächsten beiden Situationen fanden in der Stadtbahn statt. Schon fernab des Feierabendsverkehrs fuhr ich in einer vielleicht zur Hälfte gefüllten Bahn nach Hause. Mit mir stieg eine Frau ein, die ein ziemlich unförmigen, hohen und breiten Karton mit sich trug, den sie so stellte, dass man problemlos daran vorbeikommen könnte, wenn man halt mal einen Schritt nach links machen würde. Die Sitze sind seitlich angeordnet, sodass also mehr als genug Platz gewesen wäre. Lediglich die beiden Plätze direkt am Wagenrand waren so nicht zugänglich, was aber auf Grund der Leere der Bahn auch kein Problem gewesen wäre.

Ich habe nicht mal richtig den Gedanken „Mal gucken, wann ein Honk auf die Idee kommt, sich ausgerechnet da hinsetzen zu wollen“ zu Ende gedacht, als an der nächsten Haltestelle genau so ein Hauptschüler Ohne Nennenswerte Kenntnisse genau das tat. Dabei schob er mit seinem überdimensionierten Rucksack den Karton so, dass die Dame davon fast getroffen worden wäre. Als die Bahn anfuhr, hielt der Typ sich natürlich nicht fest und fiel fast auf eine andere Person und schlug mir wegen seiner hastigen Armbewegungen fast die Brille von der Nase und trat mir natürlich noch auf die Füße. Natürlich genoss dieser Mensch eine gute Erziehung und lernte, sich zu entschuldigen. Zwischen lernen und anwenden liegen allerdings manchmal Welten.

Kurz später stieg eine Frau mit Koffern ein, die ein Kleidungsstück auf selbigen legte. Als sie einige Stationen später aufstand und zur Tür gehen wolle, bemerkte sie nicht, dass dieses Kleidungsstück runtergefallen war und liegenblieb. Auf Grund der Länge zwischen beiden Stationen wartete ich kurz ab, ob und wie die hochentwickelte und so soziale Spezies um mich herum reagieren würde. Gar nicht. Da musste erst der böse, schwarze Mann aufstehen um ihr das Kleidungsstück zu geben. Diese bedankte sich dann mehrfach. Und wieder musste ich an die Zeilen von Mantus denken: „So bin ich den Wölfen manchmal näher, als ich den Menschen jemals war.“

Apropos Wölfe: In einem Artikel der Lokalpresse ging es mal wieder um Wölfe. Unter anderem wurden Schäfer interviewt, die Sätze sagten wie: „Der Wolf hat hier kein Lebensrecht“, Wölfe seien „Schädlinge“ und „nutzlos wie Ratten, Flöhe oder Zecken“. Jaja, man ersetze den Wolf durch ein anderes Wort und kommt dann zu einem anderen Ergebnis. Und die Menschen wundern sich über Misanthropie. Bis auf den Teil mit der Schäferlobby ist der Artikel in der Zeitung übrigens der Erste, der nicht unberechtigte Angst vor Wölfen schürt.

Schakal