Amazon ist schon böse

Ja, es ist schon ein Skandal, was Amazon da macht. Es ist wirklich fürchterlich, wenn ein Händler gegen Könige, auch genannt Kunden, vorgeht. Und zwar diese Art von spendablen Kunden, die einen Artikel in zig verschiedenen Ausführungen bestellt und alle nicht passenden Ausführungen wieder zurückschickt. Natürlich erwartet diese Art von Menschen auch, dass ein Händler die dadurch entstandenen Kosten dauerhaft auffängt und diesem Treiben tatenlos zusieht. Selbstverständlich denkt diese Spezies auch nicht über die sinnlose Ressourcenverschwendung solcher Aktionen nach – geschweige denn darüber, was passiert, wenn er sowas auch bei kleineren Händlern immer wieder macht.

Wie es wohl diese Art von Leuten finden würde, wenn sie eine einfache CD bestellen und dann gleichzeitig 9 weitere von Helene Fischer zugeschickt bekommen würden – und diese dann kostenpflichtig zurückgeschickt werden müssten? Dass einige Amazon-Geschäftsgebaren durchaus zu diskutieren sind (wie es zum Beispiel Asp über deren Autorip-Funktion tat) ist durchaus richtig und wichtig, was aber dieses Amazon-Gebashe über vollkommen nachvollziehbare Kündigungen von Kundenkonten soll verstehe ich nicht – zumal Amazon vor den Kündigungen die Kunden mehrfach darauf hinweist, ihr Verhalten zu ändern. Dazu müsste man wohl über so etwas wie Selbstreflektion verfügen.

Schakal

Irgend ein Arsch ist immer unterwegs

Dieser durchaus einprägsame Satz aus der Feder Tilo Wolffs ist einer, der mir auch bei Konzerten durchaus öfter mal im Kopf rumgeistert. Während sich der Großteil des interessierten Publikums sich hingebungsvoll der dargebotenen Kunst widmet, gibt es doch immer die wenigen Ärsche, die doch irgendwie immer auffallen, egal wie sehr man sich bemüht, diese Spezies auszublenden.

Ein Teil der Spezies Ärsche auf Konzerten nennt sich Quasselstrippe. Ich werde es nie verstehen, warum man sich während eines Konzerts permanent unterhalten muss – und zwar in einer Lautstärke, gegen die dann selbst die Lautstärke des sich auf der Bühne abmühenden Künstlers wenig ausrichten kann, falls man direkt neben solchen Leuten steht. Gegen eine kurzen Meinungsaustausch zwischen den Liedern ist nichts einzuwenden, aber ansonsten ist es schlichtweg respektlos dem Künstler gegenüber und auch dem Publikum um solche Leute herum.

So kam es dann schon öfter vor, dass bei absichtlichen Pausen innerhalb eines Liedes fröhlich vor sich hin gesabbelt wurde. Auch bei Kabarettauftritten habe ich es schon erlebt, dass hier sogar teilweise die Künstler auf der Bühne die Leute in den vorderen Reihen um Ruhe gebeten haben. Welchen Sinn hat es, einen Abend zu besuchen, in dem das Zuhören ein elementarer Bestand der Veranstaltung ist? Ich frage mich, ob solche Leute bei Hochzeiten, Trauerfeiern oder ähnlichen Anlässen sich genauso verhalten: „Der Hinterbliebene ist…“  *Knarrrz* – Oh, weißt du schon, dass ich heute früh Dünnschiss hatte?“ Das ist das, was aus deinem Mund kommt! Schnauze!

Ein anderer Teil dieser Spezies nennt sich Gaffer. Ähnlich wie bei Unfällen gaffende Idioten sind es auch Konzertgaffer, die eigentlich gar nicht wissen, was los ist, aber andere behindern oder stören. Insbesondere bei Gothic-Konzerten nervt die Fraktion „Ey komm wir gehen da auch mal rein. Ich weiß zwar nicht was das ist, aber egal“. So habe ich es schon mehrfach beobachtet, dass solche Experten (die – man möchte hier fast „natürlich“ davorsetzen – auch nicht dem Anlass entsprechend gekleidet sind) dann auch zur Spezies Quasselstrippe gehören – aber auch das tanzende, mitsingende und feiernde Publikum oder gar den Künstler auslachen oder zumindest permanent dumm-dreist-verwirrt-verhöhnend anstarren. Und zwar die ganze Zeit.

Mir wäre ja mein Geld und meine Zeit zu schade, mich stundenlang unter eine Gruppe von Menschen zu begeben, die mir offensichtlich (auf Grund meines Verhaltens auf Gegenseitigkeit beruhend und somit zu Recht) fremd sind – und dies in einer beengten Lokalität, während mir Musik entgegenschallt, die ich nicht mag und wahrscheinlich auch nicht mal verstehe, obwohl mir der Gruftie (dem ich die ganze Zeit verachtenswertes Lächeln zuwerfe) einen „Ja du bist gemeint“-Blick während des Liedes „Irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ und bei der Textzeilen „Schau mich nicht an – so wichtig bist du nicht“, „Bleib weg – so weit es geht!“  zuwirft.

Spezies 3 ist zwar nicht wirklich störend, aber in zu hoher Dosierung für die Stimmung eines Konzertes eher hinderlich. Und zwar die Salzsäule. Spezies Salzsäule zeichnet sich dadurch aus, dass sie während des gesamten Konzertes sich nicht bewegt. Körperreaktionen, sei es durch Mitsingen, Bewegen, Jubeln, Tanzen und ähnliches sind während des gesamten Konzerts verboten. Der Mechanismus wird nur dann unterbrochen, um sich entweder etwas zu trinken zu holen oder mit dem Smartphone zu filmen. Besonders gern macht die Statue das bei Bands, die dies ausdrücklich nicht wünschen und sich dann ertappt fühlen und rumplärren, wenn der Sänger ihnen eindeutige Gesten und Blicke zuwirft. Falls Spezies Salzsäule dann unverständlicherweise auch noch in den vorderen Reihen mit einem Volumen 2 Meter hoch und 2 Meter breit im Raum steht und interessierten Konzertgängern die Sicht nimmt, ist es dann nicht mehr schön, wenn man 2 Stunden für 30 und mehr Euro  lang nur den Rücken einer uninteressierten Säule sieht.

Es ist mir durchaus bewusst, dass nicht jeder aus sich rausgehen kann und Emotionen zeigen. Auf Konzerte, auf die man doch aber eigentlich geht, weil man dem Dargebotenen doch irgendwie schon vorab etwas abgewinnen konnte, sollte dies doch aber schon möglich sein.

Schakal

 

Seltsames Demokratieverständis

Nicht, dass es irgendwas was neues wäre, aber: Ich verstehe die Menschen (mal wieder) nicht. Da stellt sich ein Typ unter dem Deckmantel der Satire hin und beleidigt öffentlich eine andere Person auf absolut billigste Weise und hofft damit durchzukommen, in dem er vorher sinngemäß meint, dass das nun folgende eine Schmähkritik sei. Das wäre in etwa so, als würde man vor dem illegalen Runterladen und Verbreiten von Musik dies vorher bei der Staatsanwalt ankündigen und dann hoffen, dass alles in Ordnung wäre. Oder man sagt einem Mensch kurz vor dem Mord bescheid, dass man ihn jetzt abmurkst.

All diejenigen, die derzeit etwas von „Das ist Satire!“ rumkrakehlen möchte ich gern mal fragen, was sie davon halten würden, wenn man ihnen im Fernsehen das Ziegenficken, Oralverkehr mit Schafen und Kinderpornokonsum vorwirft.

Ob diese ganzen Tiraden Straftatbestände wie üble Nachrede und falsche Verdächtigung usw. erfüllen, mag ich nicht zu beurteilen. Das können ja jetzt die Gerichte entscheiden. Ich jedenfalls würde mir so etwas nicht nachsagen lassen.

Von daher halte ich auch die Entscheidung unserer Regierung für richtig, unsere Justiz das Ganze prüfen zu lassen – und eben NICHT „von oben herab“ sich über die Justiz zu stellen und damit dann keinen Deut besser zu sein als so manch Staatsoberhaupt.

Schakal

Politisch motivierte Hotelstornierung?

Hier in Hannover hat das Congress Hotel am Stadtpark Reservierungen im Zusammenhang mit dem AfD-Parteitag  im benachbareten Congress Centrum  storniert. Auf der Facebook-Seite heißt es dazu:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben die Zimmerbuchungen, welche im zeitlichen Rahmen des Bekanntwerdens des AfD-Bundesparteitages eingegangen sind, nach Mitteilung der Dimension der angekündigten Demonstration außerordentlich storniert, um die Sicherheit aller Gäste und unserer Mitarbeiter sowie den reibungslosen Hotelbetrieb am kommenden Wochenende besser gewährleisten zu können.

Bei der Demonstration am benachbarten sowie direkt angebundenen Hannover Congress Centrum werden rund 5.000 Demonstranten erwartet. Konfrontationen können hierdurch nicht ausgeschlossen werden. Diese möchten wir gerne, soweit es geht, vom Hotel fern halten. Im Sinne aller Gäste, der Besucher der AfD-Veranstaltung und unserer Mitarbeiter. Es geht uns bei dieser Vorgehensweise ausdrücklich um den Schutz aller beteiligten Personen, nicht aber um eine politische Aussage.

Am heutigen Vormittag und heutigen Abend des 24.11.2015 haben wir diese Handhabung innerhalb telefonischer Nachfrage mit Sprechern zweier AfD-Kreisverbände sehr sachlich kommuniziert. Beide haben Verständnis für unsere Entscheidung gezeigt, wenngleich sie sich eine andere Entscheidung unsererseits gewünscht hätten. Kein Verständnis hatten beide für die zum Teil nicht wahrheitsgemäßen Bewertungen/Einträge auf unserer Facebookseite. Wir sind darüber hinaus für weitere sachliche Gespräche offen.

Auf die unwahren Bewertungen und entsprechenden Kommentare, welche ab dem Zeitpunkt der außerordentlichen Kündigung der Beherbergungsverträge aufkamen, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.

Mit freundlichen Grüßen
Congress Hotel am Stadtpark Hannover

Die Stornierungen selbst gehen davon aus,  dass diese Reservierungen im Zusammehanng mit dem Parteitag stehen. Hier würde mich interessieren, wie das Hotel darauf kommt,  dass es sich bei den Reservierungen wirklich um AfD-Mitglieder handelt. Als politisch links-orientiert wäre ich nicht gerade begeistert, wenn ich dort zu dieser Zeit dort reserviert hätte und mit so einer Begrüdung mir nun ein anderes Hotel suchen müsste – zumal die Stornierung erst 2 Tage vor der Reservierung rausging.

Selbst wenn es sich um AfD-Mitglieder handelt, kann es in meinen Augen nicht sein, dass diese nur auf Grund ihrer Zugehörigkeit zu einer Partei unter Generelverdacht ausgeschlossen werden. Wobei hier auf der anderen Seite ins Besondere das stark-rechte Spektrum dieser Partei hier mal erlebt, wie es ist, wenn man von vornherein gebrandmarkt wird – so wie die Leute es taten, denen sie von der Gesinnung her nahestehen.

Auch wenn das Hotel in seiner Stellungnahme einen politisch-motivierten Hintergrund ausschließt, so bleibt doch der fade Beigeschmack, dass hier alle die, die zu dem fraglichen Zeitpunkt reserviert haben, gewaltbereite Störenfriede sein sollen. Es wird sich mehr oder weniger auf das Hausrecht berufen nach dem Motto: „Kopf in den Sand – was ich nicht sehe ist nicht da.“ Inwiefern diese Entscheidung gewaltbereite AfD-Anhänger nicht erst recht zu Aktionen gegen das Hotel veranlasst, bleibt abzuwarten.

Eines hat das Hotel hier mit Sicherheit nicht geschafft: Nämlich die Sicherheit herzustellen, die sie für sich und die Gäste haben wollen. Denn sowohl Mitarbeiter als auch Gäste werden nun das ganze Wochenende mit der Angst vor „Vergeltung“ leben dürfen.

Schakal

25 Jahre Lacrimosa: Konzertbericht

Letztes Wochenende hatte ich das Vergnügen, meine absolute Lieblingsband Lacrimosa wieder einmal live sehen zu dürfen. Zu ihrem 25-jährigen Bestehen gaben Tilo Wolff, Anne Nurmi und die Livemusiker in Deutschland in Dresden und Oberhausen Konzerte. Trotz der fast doppelten Zugfahrstrecke entschied ich mich, den Weg nach Dresden auf mich zu nehmen, da – aus welchen Gründen auch immer – die Stimmung bei Gothic-Bands in den nicht mehr so neuen Bundesländern doch besser ist als im westlichen Landesteil. Nachdem ich bereits auf meinem Weg zum Hotel gut 2 Stunden vor Beginn die ersten Schwarzgestalten bei dem Veranstaltungsort sah, wusste ich schon, dass ich meinen nicht großartig ausgeprägten Orientierungssinn diesmal nicht brauchen würde. Spätestens in der Straßenbahn, die in der Nähe hielt, war dann ebenfalls reichlich „Schwarzvolk“, welchem ich mich dann hätte anschließen können.

So war ich dann pünktlich zum Einlass angekommen und suchte wie üblich mir einen Platz in der Nähe des Mischpultes, da man dort erfahrungsgemäß den besten Klang hat. Ich stellte mich an die hintere Absperrung, so dass ich auf Grund meiner Körperkleine dennoch einen guten Blick auf die Bühne hatte, da zwischen mir und der nächsten Reihe vor mir halt nur der abgesperrte Mischpultbereich war. Empfangen wurde die schwarze Meute von einer Endlosschleife von Lacrimosa’s „Einsamkeit“, welche man nach der spätestens 3. Wiederholung auswendig konnte. Irgendwann nervte es dann nur noch. Abwechslung bot ein Quiz, welches an einer kleinen Leinwand eingeblendet wurde. Schöne Idee. Dann verfinsterte sich das Licht.

Statt dem üblichen Lacrimosa-Intro-Theme wurde das Publikum mit Orgelklängen begrüßt, die schließlich im ersten Stück Lacrimosas – „Seele in Not“ – mündeten. Wie bereits angekündigt, wurde das Lied in seiner originalen Synthesizer-Fassung gespielt, anstatt im rockigen Gewand. So war es nicht verwunderlich, dass nur Tilo und Anne zu Beginn auf der Bühne waren. Obwohl ich die Originalfassung von „Seele in Not“ nicht so sehr mag, war es doch recht spannend, diese Version einmal live zu hören und mich in die Zeit der Anfänge Lacrimosas zurückversetzen zu lassen. Die Stimmung war passend zum Titel während des Liedes still und gespannt. Nach dem Einstiegslied wurde das Publikum begrüßt und auf eine dreistündige, chronologische Zeitreise eingestimmt, was mit entsprechendem Jubel bedacht wurde. Auf der Leinwand wurde das Cover von „Angst“, dem ersten Album der Band, angezeigt. Aus diesem Album stammte dann auch das zweite Lied des Abends: „Der letzte Hilfeschrei“. Wie bei „Seele in Not“ machte sich – auch dank der hervorrangend rübergebrachten Emotionen von Tilo – eine beklemmende Stimmung breit, die auch bei den folgenden nicht weniger melancholischen Liedern „Tränen der Sehnsucht“ und „Reißende Blicke“ aus dem 2. Album „Einsamkeit“, anhielt. Auch „Tränen der Sehnsucht“ wurde quasi in seiner Originalfassung  und nicht in einer über die Jahre „gereiften“ Version gemischt mit Klassik und Gitarren gespielt.

Danach wurde es dann das erste Mal so richtig laut und die Lethargie der ersten gut 45 Minuten wurde mit einem der Publlkumslieblinge beendet. Zu den Originalklängen von „Alles Lüge“ durften dann auch die Livemusiker ran und zum ersten Mal an diesem Abend zeigte Lacrimosa ihr „rockiges“ Gesicht. Das Publikum, unter dass sich auch Fans aus Südamerika, Asien und Osteuropa mischten, war von Beginn an richtig gut drauf und sang hier erstmals richtig mit. Wunderschön. Danach wurde der frenetische Beifall von den Kirchenglocken „Crucifixio“s aus dem „Satura“-Album  unterbrochen, bei dem aus dem Soloprojekt Tilo Wolffs ein Duo mit Anne Nurmi wurde. Wieder ein schwermütiges, langsames Stück, welches live zwar gut hörbar ist, aber nie zu meinen Lieblingsliedern gehören wird. Doch auch dieses Lied kam gut an – da es an die Anfangszeiten erinnerte.

Und danach kam der Moment, auf den ich solange gewartet hatte – und nicht nur ich, wie der Beifall der ersten leisen Töne von „Flamme im Wind“ deutlich machte. Dieses Lied war mein Einstieg in die schwarze Szene und ist bis heute eines meiner absoluten Favoriten. Und hier straft Lacrimosa die Leuten Lügen, die behaupten, man könne live keine langen Lieder spielen – schon gar nicht ohne Gesang. Wie so oft bei den Instrumentalabschnitten überließ Tilo hier den Livemusikern die Bühne. Auch zeigt Lacrimosa hier wieder, warum Liveauftritte von ihnen immer etwas besonderes sind: Anstatt dröge einfach nur wie von CD zu klingen, werden die Lieder anders arrangiert, Texte abgewandelt und die Lieder spontan verlängert. Dieses Markenzeichen der Band zieht sich durch jeden Auftritt und macht jede Tour besonders.

Nach neuneinhalb Minuten folgte dann der verdiente Applaus, der sich begleitet von den Anfangsklängen meines Namensgebers dann gleich noch mal steigerte: „Schakal“ aus dem Album „Inferno“ –  ebenfalls ein Publikumsliebling, der nicht fehlen darf und in einer gewohnt rockigen Variante gespielt wurde – anders als das Original, welches eher ruhig ist. Die Stimmung im Publikum steigerte sich weiter, als mit „Stolzes Herz“ aus dem Album „Stille“  quasi die Lacrimosa-Hymne (neben „Alles Lüge“) gespielt wird. Danach durfte dann auch Anne ans Mikro.

Mit „Not every pain hurts“ folgte ein ebenfalls gelungener Auftritt, der – anders als bei einigen Auftritten sonst – auch vom Großteil des Publikums mitgetragen wurde.Hier merkte man besonders die Anwesenheit der südamerikanischen Zuschauer, die mit Annes Liedern wohl weniger Berührungsängste haben, als die deutschen, die bei früheren Auftritten unpassenderweise sich teilweise abgewandt hatten.

Danach folgten mit „Alleine zu zweit“ und „Halt mich“ zwei Lieder aus dem Album „Elodia“, was von vielen als bislang bestes Album Lacrimosas wahrgenommen wird. Bei „Halt mich“ durfte hier auch das Publikum mal ran und mitsingen. Im Chor wurde „Halt mich – mein Leben – halt mich fest!“ der Band entgegengeschrien, was für eine tolle Gänsehaut sorgte. Auch bei „Der Morgen danach“ aus dem Album „Fassade“ durfte das Publikum begleitet von den Livemusikern mitträllern. Darauf folgte „Liebesspiel“, welches mir bis heute nicht so richtig gefällt, aber auch live durchaus hörbar ist. Hier hätte ich mir einen der drei genialen „Fassade“-Sätze gewünscht, die aber live auf Grund des hohen Orchesteranteils nur schwer umsetzbar sind.

Mit den folgenden Liedern „Durch Nacht und Flut“ und „Malina“ waren wir im Jahre 2003 und dem Album „Echos“ angekommen, was auch das Jahr war, in dem ich zu Lacrimosa stieß und mir nach und nach alle vorherigen Album kaufte. Von den 25 Jahren durfte ich also immerhin die Hälfte quasi „live“ miterleben. Nach „Kelch der Liebe“ aus dem „Lichtgestalt-„Album wurde der lange, rockige Abschnitt für „Alles unter Schmerzen“ unterbrochen, nur um dann im „Feuer“ wieder für einen gitarrenlastigen Publikumsliebling zu münden. Ein schöner Kontrast aus dem Album „Sehnsucht“, der hier gewählt wurde. Die Gefühlsachterbahn ging mit „Ohne dich ist alles nichts“ (von „Schattenspiel“) weiter, welches wieder getragen und schwermütig an die „alten“ Zeiten erinnerte.

Mit Schrecken stelle ich dann fest, dass der nun folge Song bereits aus dem aktuellen Album war. „irgend ein Arsch ist immer unterwegs“ mauserte sich sehr schnell zu einem Publikumsliebling, auf den die „Rote Sinfonie“ folgte, bei der Lacrimosa den langen orchestralen Teil durch eine stark gitarrenlastigen Instrumentalabschnitt ersetzte. Tolle Idee. Danach folgte eine längere Ansage, bei der sich Lacrimosa für die jahrzehntelange Treue bedankte und gleichzeitig ein neues Album ankündigte. Dies – und der Hinweis darauf, dass man daraus auch ein Lied spielen wollte und gleichzeitig an der Videoleinwand das neue Cover und den neuen Albumtitel entüllen wollte – sorgte für Jubel. Mit den Anfangsklängen von „Kaleidoskop“ geschah dann auch das Angekündigte. Man darf gespannt sein, in was für eine Richtung das neue Album „Hoffnung“, so der enthüllte Titel, gehen wird. „Kaleidoskop“ jedenfalls war ein sehr schönes, rockiges und orchestrales Duett mit Anne, welches auch großen Anklang im Publkum fand – für den sich Tilo dann auch in der folgenden Ansage bedankte und gleich noch ein Lied aus dem neuen Album spielte: „Kein Schatten mehr“ – ein außergewöhnliches kurzes und eher ruhiges Stück, welches aber ebenfalls gut ankam.

Danach wurde sich unter langem Beifall vom Publikum verabschiedet und die Band verließ die Bühne. Natürlich wollte die Menge mehr. Nach jede Menge „Zugabe“ und „Lacrimosa, Lacrimosa“-Rufen kam die Band zurück und bedankte sich für den Zuspruch. Es wurde noch ein schönes Foto geschossen und es folgte eine weitere Ansage, in der sich dafür ausgesprochen wurde, bei all der Selbstverwirklichung die Liebe nicht zu vergessen. Ein schönes Statement und der Aufruf zur „Revolution“, die den Zugabenteil einleitete – eines meiner absoluten Lieblingslieder. Anne durfe dann auch noch mal ran und gab mit „If the word stood sill a day“ nochmal ein sehr schönes Lied zum besten, auf das mit „Lichtgestalt“ einer der Publikumslieblinge der Zugabenteil beendet wurde. Aber halt. Das geht nicht, dachte nicht nur ich. DER Rausschmeißer fehlte noch und wurde wehement vom Publikum gefordert.

Die Band kam erneut raus und bedankte sich sichtlich gerühert für den Zuspruch. Und dann kam er dann auch. „Copycat“ – der Metal-Rausschmeißer, bei dem die Band nochmal alles gibt und den Laden ein letztes Mal in Extase versetzte, Tilo und Anne tantzen auf der Bühne und gröhlten die Zeilen in die Menge. Dann war unter tosendem Applaus und langer Verabschiedung Schluss.

Über 3 Stunden tolle Unterhaltung. Eine emotionale Achtterbahn – wie man  es von Lacrimosa kennt. Über 3 Stunden für gut 34 Euro – da kann sich so manch Chartsglitzerdiva eine Scheibe von abschneiden.

Vielen Dank, Lacrimosa, für diese tolle Rückschau auf 25 Jahre Bandgeschichte und dafür, dass ich euch schon so lange begleiten darf.

Schakal

Mein erstes M’Era Luna-Festival

Ich lebe noch. Zwischen Überstunden und Hitze Zeit und Nerven zum bloggen zu finden, gestaltet sich für mich – wie ja bereits erwähnt –  ziemlich schwierig. Wenn man dann noch so irre ist, mitten in dieser Zeit zu einem Festival zu fahren, fällt dann auch gleich mal die so dringend benötigte Wochenenderholung weg. Da es sich aber nicht alle Tage ergibt, dass auf einem Festival, welches dazu noch in meiner Nähe stattfindet, sooo viele interessante Bands auftreten, habe ich diese Chance einfach mal ergriffen.

Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich ein (unter anderem) kein Sonnen- und Hitzefreund bin. Dementsprechend habe ich vor dem eigentlichen Festival eine ziemliche Achterbahn an Gefühlen erlebt, während ich die Prognosen so gelesen hatte. Zunächst hieß es, es würde während beiden Festivaltagen durchgehend 30 Grad und mehr werden. Gedanklich habe ich hier schon mit dem Festival abgeschlossen, da ich bei 30 Grad so ein Festival nicht genießen kann. Dann wurden die Vorhersagen immer besser, bis sie 3 Tage vorher den Idealwert von 24 Grad bei wolkenverhangenem Himmel an beiden Tagen herrschen würde. Erst einen Tag vorher hieß es dann, dass der zweite Tag 28 Grad und Dauersonnenschein bereithalten würde. So kam es dann auch. Aber der Reihe nach.

Tag 1 startete bei Erwachen mit Regen. Dieser klang jedoch während der Fahrt zum Festivalgelände ab. Dort angekommen haben meine Begleiter und ich und erstmal in alle Himmelsrichtungen verstreut. Ich nutzte die Gelgenheit, um mir erstmal einen Überblick über das Gelände – ein ehemaliger Flughafen – zu verschaffen. Im Vergleich zum letztjährigen Amphi-Festival ist das Mera-Gelände deutlich größer, aber auch übersichtlicher. Einige markante Orientierungspunkte halfen mir, recht schnell mich zurechtfinden – was von dem aussagefreien Lageplan, der von den Veranstaltern herausgegeben wurde, nicht gerade behaupten kann.  Es gab 2 Bühnen (Mainstage draußen und Hangar drinnen), jede Menge Sitzgelegenheiten, jede Menge Geldvernichtungsmöglichkeiten in Form von Klamotten, Accessoires, Speis und Trank und viele Wiesen, auf denen man es sich mehr oder weniger bequem machen konnte – und man dennoch genug von der Mainstage mitbekam (je nach Platz in mehr oder weniger guter Qualität).

Auf der Mainstage spielte die Symphonic-Metal-Band Elvellon, die ich mir im  Vorbeigehen angehört hatte. „Klingt wie Nightwish“ schoss es mir durch den Kopf. Ganz ok, aber in anderer Form schon zig mal gehört. Nachtgeschrei war die erste Band, die mich wirklich interessiert hat. Erst kurz vor dem Fetival durch ein Onlinerafdio kennengelernt und für gut befunden, haben sie auch live mir durchaus gefallen. Sie hatten leider nur 25 Minuten Spielzeit, was deutlich zu wenig war.

Danach meinte der böse gelbe Ball, sich präsentieren zu müssen. Ich suchte mir etwas zu speisen in Form von so genanntem Handbrot. Das war eine große Tagtasche gefüllt mit Käse und Schinken. Omnomnom. Im Vergleich zu anderem, was dort so verkauft wurde, war hier das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als in Ordnung. Sehr sympatisch waren die Verkäufer, die in einstudierten Jubel ausbrachen, wenn man etwas Trinkgeld daließ. Neben deren Stand schlug ich mein Zelt in Form einer schwarzen Decke auf, und zwar so, dass ich dennoch etwas von der Mainstage mitbekam.

Denn dort traten Coppelius und Ost+Front auf, die ich als nächstes auf meinem Zettel hatte, nachdem ich mir vorab alle Bands mal bei Yoube angehört hatte. Coppelius war dann doch eher nicht so meins und Ost+Front waren durchaus hörbar.  Im schönen, kühlen Hangar warteten dann Frozen Plasma und Melotron. Frozen Plasma hab ich nach 2 Liedern wieder verlassen, da ich mit 08/15-Elektro-Gedudel noch nie was anfangen konnte. Melotron waren trotz ihres hohen Eletroanteils live jedoch deutlich besser, als sie auf Youtube den Eindruck erwecken. Vor dem Meletron-Auftritt bemerkte ich allerdings auch wieder einige, die meinten, ihre Kinder ohne Hörschutz (!) in die vorderen Reihen nehmen müssen – welche dazu noch ziemlich übermüdet wirkten. Sowas find ich ziemlich verantwortungslos.

Danach ging es auf eine der Wiesen „vor“ der Mainstage. Der böse gelbe Ball konnte sich nicht mehr gegen die dichten, dunklen Wolken verteidigen und verschonte die Besucher des Festivals bis zum Ende des Tages mit seinem unerwünschten Antlitz. Auf der Mainstage trat eine Band auf, von der ich nicht allzuviele Lieder kannte, diese aber fast alle gespielt wurden. Falls sie denn dazu kamen, da das Mikro der Sängerin 3 mal streikte. Die Rede ist von L’âme Immortelle – eine Band, die ich immer schon mal sehen wollte. Der Auftritt war – abseits der Mikroprobleme – jedoch sehr ernüchternd. Beide trafen teilweise überhaupt keinen Ton, der dazu auch noch viel zu leise war, sodass man von den Emotionen, die in den Songs steckt, nicht mitgerissen worden ist. Schade.

Das erste Highlight waren dann Saltatio Mortis. Mit ihrem aktuellen und letzten Album haben sie auf Grund ihrer gesellschafts- und wirtschaftskritischen Texte auch den Weg in meinen Gehörgang gefunden. Während die langjährigen Fans diesen Weg weg vom reinen Mittelalterrock kritisieren, gefällt er mir als neutraler Zuhörer recht gut. Live bei guten Tonverhältnissen lieferten SaMo einen sehr gelungenen Auftritt ab, auch wenn permanenter Dudelsack auf Dauer immernoch recht anstrengend für meinen Gehörgang ist.

Blutleer hingegen war der Auftritt von Blutengel, die mich diesmal überhaupt nicht mitreißen konnten. Auch hier war der Ton wieder recht leise und die Ansagen, die sich irgendwie nur um’s Wetter drehten, machten es nicht besser. Einen Fauxpass erlaubte sich Herr Pohl dann noch, als er mit den Worten „VIel Spaß bei Rob Zombie und ASP“ verabschiedete und dabei ASP wie so viele als A-Es-Peh aussprach, was man als langjährige „Szeneband“ besser wissen sollte. Peinlich.

Danach begab ich michzum Campingplatz des Dunklen Leben-Forums, wo ich mich mit einigen Forenmitgliedern angenehm unterhielt und die Zeit bis ASP, die immernoch Asp ausgesprochen werden, überbrückte. Hier zeigte man mir dann auch den Weg zu den Spültoiletten, die ich irgendwie nicht so richtig selbst fand. Da die Dixie-Toiletten teilweise nicht mehr in einem so appetitlichen Zustand waren, war ich ganz froh, dass es noch Spültoiletten gab, die in einem guten und sauberen Zustand waren – so wie das ganze Festival ingesamt. Auch sonst hat mir die Organisation – mit Ausnahme der Tonprobleme – doch ganz gut gefallen. Der Mittelaltermarkt war auch eine nette Idee, jedoch nichts für mich.

Mein Highlight sollte eigentlich ASP werden, die ich in Clubs schon sehr oft gesehen hatte und dort eine tolle Stimmung verbreiteten. Ich stand wohl zuweit hinten, um mitgerissen zu werden. Auch hier gab es besonders zu Beginn einige Tonprobleme. Hier hätte ich wohl doch deutlich früher los gehen sollen, denn so sprang der (leise Ton-)Funke nicht so ganz über. Dennoch war es ein sehr gelungener Auftritt, bei dem ins Besondere „Und wir tanzten“, welches quasi nur vom Publikum gesungen werden durfte und die Akustikversion des „Schwarzen Schmetterling“ besonders herausstachen.

Ziemlich erschöpft traf ich mich dann mit meiner Begleitung, die mich wieder Richtung Heimat fuhr. Am nächsten Morgen knallte bereits der gelbe Ball über den ganzen Himmel. Ich befürchtete schlimmstes für diesen Festivaltag. Mit meiner Begleitung entschloss ich mich – auch auf Grund der kurzen Nacht, der Erschöpftheit und dem Wissen, am nächsten Tag wieder arbeiten zu müssen – früher als geplant, das Festival gegen Nachmittag zu verlassen. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen in Hörweite zur Mainstage, wo Unzucht und Schwarzer Engel auftraten.

Unzucht kannte ich bereits vom letztjährigen Amphi – bei dem die Band trotz der undankbaren Uhrzeit (11 Uhr) das Publikum mitrissen – und vom 5-Jahres-Jubiläum-Konzert in Hameln. zu dem ich mich ja schon äußerte. Auch beim Mera konnte die Band überzeugen und den Laden rocken. Zukünftig werden sie mit Sicherheit länger als 25 Minuten spielen dürfen. Genauso lange spielte auch Schwarzer Engel, die mir entgegen mancher vorheriger Kommentare, doch gut gefallen haben – auch wenn sie an Unzucht nicht rankamen. Danach folgte eine längere Pause meinerseits, da die kommnenden Bands mich allesamt nicht interessierten. Ich flüchtete wieder ins DL-Camp, wo jeder Schattenplatz ausgenutzt wurde (danke an dieser Stelle für den Pavillon 🙂 ). Die Sonne brannte unerbittlich auf’s Festival- und Campinggelände. Organisatorisch hätte ich mir wie beim Amphi einen Sonnenschutz über der Mainstage gewünscht, denn so konnte man es dort definitiv nicht genießen. Ich zumindest nicht.

Nach einigen unterhaltsamen Gesprächen brach ich dann wieder Richtung Festivalgelände auf, um das Highlight an diesem Tag für mich und meine Begleitung zu sehen (bzw. eher: zu hören). Ich fand einen der begehrten Schattenplätze und lauschte dort Joachim Witt, der für meinen Geschmack zuviele elektronische Lieder und zuwenige Lieder aus seinen Bayreuth-Alben spielte, die eher zu Szene passen. Dennoch war der Auftritt sehr gelungen und mitreißend. „Die Flut“ sowie  der Reiter als Abschluss durften natürlich nicht fehlen. Auf seinen Clubauftritt bin ich sehr gespannt.

Nach Witt haben wir uns dann wieder Richtung Heimat aufgemacht. Mono Inc, die Einstürzenden Neubauten und Nightwish musste ich so leider auslassen, wobei ich Mono Inc schon letztes Jahr gesehen habe und die anderen beiden eher als „Zugabe“ gedacht gewesen wären, da ich insbesondere von den Neubauten nur „Haus der Lüge“ aufgrund des Mantus-Covers kenne und Nightwish für mich das Problem haben, dass ihre ganzen Symphonie-Lieder ohne Orchester halt live irgendwie „vom Band“ klingeln. Von daher war das zu verschmerzen.

Ingesamt aber war es ein gelungenes und schönes Festival, mit vielen guten bis sehr guten Auftritten, aber auch organisatorischen Schwächen, die den Gesamteindruck doch mindern. Erschwerend kommt hinzu, dass ich während des Meras doch immer wieder Pausen hatte, in denen mich keine Band interessierte. Dies hatte ich beim letztjährigen Amphi-Festiva nur kurzzeitig. Das wichtigste ist aber, dass man sich auch unter 25.000 Besuchern in gewisser Weise sicher und im Geiste „zu Hause“ fühlt. Für mich jedenfalls ein sehr angenehmes Gefühl.

Schakal

Längere Blog-Pause

Wie einige vielleicht schon gemerkt haben, ist es derzeit etwas still hier. Das liegt vor allem daran, dass ich derzeit etliches an Überstunden schieben darf, da wir auf Arbeit sehr viel zu tun haben. Nach einem ganzen Tag am PC möchte ich verständlicherlicherweise nicht länger als nötig auch noch privat vor der Kiste hocken.

Spätestens nach dem Mera Luna (welches hoffentlich nicht zu warm wird) werd ich allerdings einen Bericht zu meinem 1. Mera-Festival schreiben. 🙂