Mein erstes M’Era Luna-Festival

Ich lebe noch. Zwischen Überstunden und Hitze Zeit und Nerven zum bloggen zu finden, gestaltet sich für mich – wie ja bereits erwähnt –  ziemlich schwierig. Wenn man dann noch so irre ist, mitten in dieser Zeit zu einem Festival zu fahren, fällt dann auch gleich mal die so dringend benötigte Wochenenderholung weg. Da es sich aber nicht alle Tage ergibt, dass auf einem Festival, welches dazu noch in meiner Nähe stattfindet, sooo viele interessante Bands auftreten, habe ich diese Chance einfach mal ergriffen.

Wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass ich ein (unter anderem) kein Sonnen- und Hitzefreund bin. Dementsprechend habe ich vor dem eigentlichen Festival eine ziemliche Achterbahn an Gefühlen erlebt, während ich die Prognosen so gelesen hatte. Zunächst hieß es, es würde während beiden Festivaltagen durchgehend 30 Grad und mehr werden. Gedanklich habe ich hier schon mit dem Festival abgeschlossen, da ich bei 30 Grad so ein Festival nicht genießen kann. Dann wurden die Vorhersagen immer besser, bis sie 3 Tage vorher den Idealwert von 24 Grad bei wolkenverhangenem Himmel an beiden Tagen herrschen würde. Erst einen Tag vorher hieß es dann, dass der zweite Tag 28 Grad und Dauersonnenschein bereithalten würde. So kam es dann auch. Aber der Reihe nach.

Tag 1 startete bei Erwachen mit Regen. Dieser klang jedoch während der Fahrt zum Festivalgelände ab. Dort angekommen haben meine Begleiter und ich und erstmal in alle Himmelsrichtungen verstreut. Ich nutzte die Gelgenheit, um mir erstmal einen Überblick über das Gelände – ein ehemaliger Flughafen – zu verschaffen. Im Vergleich zum letztjährigen Amphi-Festival ist das Mera-Gelände deutlich größer, aber auch übersichtlicher. Einige markante Orientierungspunkte halfen mir, recht schnell mich zurechtfinden – was von dem aussagefreien Lageplan, der von den Veranstaltern herausgegeben wurde, nicht gerade behaupten kann.  Es gab 2 Bühnen (Mainstage draußen und Hangar drinnen), jede Menge Sitzgelegenheiten, jede Menge Geldvernichtungsmöglichkeiten in Form von Klamotten, Accessoires, Speis und Trank und viele Wiesen, auf denen man es sich mehr oder weniger bequem machen konnte – und man dennoch genug von der Mainstage mitbekam (je nach Platz in mehr oder weniger guter Qualität).

Auf der Mainstage spielte die Symphonic-Metal-Band Elvellon, die ich mir im  Vorbeigehen angehört hatte. „Klingt wie Nightwish“ schoss es mir durch den Kopf. Ganz ok, aber in anderer Form schon zig mal gehört. Nachtgeschrei war die erste Band, die mich wirklich interessiert hat. Erst kurz vor dem Fetival durch ein Onlinerafdio kennengelernt und für gut befunden, haben sie auch live mir durchaus gefallen. Sie hatten leider nur 25 Minuten Spielzeit, was deutlich zu wenig war.

Danach meinte der böse gelbe Ball, sich präsentieren zu müssen. Ich suchte mir etwas zu speisen in Form von so genanntem Handbrot. Das war eine große Tagtasche gefüllt mit Käse und Schinken. Omnomnom. Im Vergleich zu anderem, was dort so verkauft wurde, war hier das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als in Ordnung. Sehr sympatisch waren die Verkäufer, die in einstudierten Jubel ausbrachen, wenn man etwas Trinkgeld daließ. Neben deren Stand schlug ich mein Zelt in Form einer schwarzen Decke auf, und zwar so, dass ich dennoch etwas von der Mainstage mitbekam.

Denn dort traten Coppelius und Ost+Front auf, die ich als nächstes auf meinem Zettel hatte, nachdem ich mir vorab alle Bands mal bei Yoube angehört hatte. Coppelius war dann doch eher nicht so meins und Ost+Front waren durchaus hörbar.  Im schönen, kühlen Hangar warteten dann Frozen Plasma und Melotron. Frozen Plasma hab ich nach 2 Liedern wieder verlassen, da ich mit 08/15-Elektro-Gedudel noch nie was anfangen konnte. Melotron waren trotz ihres hohen Eletroanteils live jedoch deutlich besser, als sie auf Youtube den Eindruck erwecken. Vor dem Meletron-Auftritt bemerkte ich allerdings auch wieder einige, die meinten, ihre Kinder ohne Hörschutz (!) in die vorderen Reihen nehmen müssen – welche dazu noch ziemlich übermüdet wirkten. Sowas find ich ziemlich verantwortungslos.

Danach ging es auf eine der Wiesen „vor“ der Mainstage. Der böse gelbe Ball konnte sich nicht mehr gegen die dichten, dunklen Wolken verteidigen und verschonte die Besucher des Festivals bis zum Ende des Tages mit seinem unerwünschten Antlitz. Auf der Mainstage trat eine Band auf, von der ich nicht allzuviele Lieder kannte, diese aber fast alle gespielt wurden. Falls sie denn dazu kamen, da das Mikro der Sängerin 3 mal streikte. Die Rede ist von L’âme Immortelle – eine Band, die ich immer schon mal sehen wollte. Der Auftritt war – abseits der Mikroprobleme – jedoch sehr ernüchternd. Beide trafen teilweise überhaupt keinen Ton, der dazu auch noch viel zu leise war, sodass man von den Emotionen, die in den Songs steckt, nicht mitgerissen worden ist. Schade.

Das erste Highlight waren dann Saltatio Mortis. Mit ihrem aktuellen und letzten Album haben sie auf Grund ihrer gesellschafts- und wirtschaftskritischen Texte auch den Weg in meinen Gehörgang gefunden. Während die langjährigen Fans diesen Weg weg vom reinen Mittelalterrock kritisieren, gefällt er mir als neutraler Zuhörer recht gut. Live bei guten Tonverhältnissen lieferten SaMo einen sehr gelungenen Auftritt ab, auch wenn permanenter Dudelsack auf Dauer immernoch recht anstrengend für meinen Gehörgang ist.

Blutleer hingegen war der Auftritt von Blutengel, die mich diesmal überhaupt nicht mitreißen konnten. Auch hier war der Ton wieder recht leise und die Ansagen, die sich irgendwie nur um’s Wetter drehten, machten es nicht besser. Einen Fauxpass erlaubte sich Herr Pohl dann noch, als er mit den Worten „VIel Spaß bei Rob Zombie und ASP“ verabschiedete und dabei ASP wie so viele als A-Es-Peh aussprach, was man als langjährige „Szeneband“ besser wissen sollte. Peinlich.

Danach begab ich michzum Campingplatz des Dunklen Leben-Forums, wo ich mich mit einigen Forenmitgliedern angenehm unterhielt und die Zeit bis ASP, die immernoch Asp ausgesprochen werden, überbrückte. Hier zeigte man mir dann auch den Weg zu den Spültoiletten, die ich irgendwie nicht so richtig selbst fand. Da die Dixie-Toiletten teilweise nicht mehr in einem so appetitlichen Zustand waren, war ich ganz froh, dass es noch Spültoiletten gab, die in einem guten und sauberen Zustand waren – so wie das ganze Festival ingesamt. Auch sonst hat mir die Organisation – mit Ausnahme der Tonprobleme – doch ganz gut gefallen. Der Mittelaltermarkt war auch eine nette Idee, jedoch nichts für mich.

Mein Highlight sollte eigentlich ASP werden, die ich in Clubs schon sehr oft gesehen hatte und dort eine tolle Stimmung verbreiteten. Ich stand wohl zuweit hinten, um mitgerissen zu werden. Auch hier gab es besonders zu Beginn einige Tonprobleme. Hier hätte ich wohl doch deutlich früher los gehen sollen, denn so sprang der (leise Ton-)Funke nicht so ganz über. Dennoch war es ein sehr gelungener Auftritt, bei dem ins Besondere „Und wir tanzten“, welches quasi nur vom Publikum gesungen werden durfte und die Akustikversion des „Schwarzen Schmetterling“ besonders herausstachen.

Ziemlich erschöpft traf ich mich dann mit meiner Begleitung, die mich wieder Richtung Heimat fuhr. Am nächsten Morgen knallte bereits der gelbe Ball über den ganzen Himmel. Ich befürchtete schlimmstes für diesen Festivaltag. Mit meiner Begleitung entschloss ich mich – auch auf Grund der kurzen Nacht, der Erschöpftheit und dem Wissen, am nächsten Tag wieder arbeiten zu müssen – früher als geplant, das Festival gegen Nachmittag zu verlassen. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen in Hörweite zur Mainstage, wo Unzucht und Schwarzer Engel auftraten.

Unzucht kannte ich bereits vom letztjährigen Amphi – bei dem die Band trotz der undankbaren Uhrzeit (11 Uhr) das Publikum mitrissen – und vom 5-Jahres-Jubiläum-Konzert in Hameln. zu dem ich mich ja schon äußerte. Auch beim Mera konnte die Band überzeugen und den Laden rocken. Zukünftig werden sie mit Sicherheit länger als 25 Minuten spielen dürfen. Genauso lange spielte auch Schwarzer Engel, die mir entgegen mancher vorheriger Kommentare, doch gut gefallen haben – auch wenn sie an Unzucht nicht rankamen. Danach folgte eine längere Pause meinerseits, da die kommnenden Bands mich allesamt nicht interessierten. Ich flüchtete wieder ins DL-Camp, wo jeder Schattenplatz ausgenutzt wurde (danke an dieser Stelle für den Pavillon 🙂 ). Die Sonne brannte unerbittlich auf’s Festival- und Campinggelände. Organisatorisch hätte ich mir wie beim Amphi einen Sonnenschutz über der Mainstage gewünscht, denn so konnte man es dort definitiv nicht genießen. Ich zumindest nicht.

Nach einigen unterhaltsamen Gesprächen brach ich dann wieder Richtung Festivalgelände auf, um das Highlight an diesem Tag für mich und meine Begleitung zu sehen (bzw. eher: zu hören). Ich fand einen der begehrten Schattenplätze und lauschte dort Joachim Witt, der für meinen Geschmack zuviele elektronische Lieder und zuwenige Lieder aus seinen Bayreuth-Alben spielte, die eher zu Szene passen. Dennoch war der Auftritt sehr gelungen und mitreißend. „Die Flut“ sowie  der Reiter als Abschluss durften natürlich nicht fehlen. Auf seinen Clubauftritt bin ich sehr gespannt.

Nach Witt haben wir uns dann wieder Richtung Heimat aufgemacht. Mono Inc, die Einstürzenden Neubauten und Nightwish musste ich so leider auslassen, wobei ich Mono Inc schon letztes Jahr gesehen habe und die anderen beiden eher als „Zugabe“ gedacht gewesen wären, da ich insbesondere von den Neubauten nur „Haus der Lüge“ aufgrund des Mantus-Covers kenne und Nightwish für mich das Problem haben, dass ihre ganzen Symphonie-Lieder ohne Orchester halt live irgendwie „vom Band“ klingeln. Von daher war das zu verschmerzen.

Ingesamt aber war es ein gelungenes und schönes Festival, mit vielen guten bis sehr guten Auftritten, aber auch organisatorischen Schwächen, die den Gesamteindruck doch mindern. Erschwerend kommt hinzu, dass ich während des Meras doch immer wieder Pausen hatte, in denen mich keine Band interessierte. Dies hatte ich beim letztjährigen Amphi-Festiva nur kurzzeitig. Das wichtigste ist aber, dass man sich auch unter 25.000 Besuchern in gewisser Weise sicher und im Geiste „zu Hause“ fühlt. Für mich jedenfalls ein sehr angenehmes Gefühl.

Schakal

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s