Blog-Battle 12: Phobie

Phobien sind ein Thema, welches ich mir auch schon überlegt hatte, da es sehr viel Spielraum bietet, im Gegensatz zu  solchen Themen wie Vergissmeinnicht. Ups, erlaubt es sich der Schakal doch direkt im ersten Satz schon, etwas zu kritisieren. Heutzutage habe ich das Gefühl, dass es eine regelrechte Kritikphobie unter den Menschen gibt. Selbst wenn diese vorsichtig und sachlich formuliert wird, fühlen sich viele direkt auf den Schlips getreten und persönlich beleidigt. Unter anderem dieses Verhalten der Menschen, hat dazu geführt, dass ich mich selbst als anthrophob und Misanthrop bezeichne.

In den vergangenen Blogs habe ich ja öfter darüber geschrieben, was mir quasi täglich an den Menschen auf den Nerven geht. Mich wundert es überhaupt nicht, wenn man dann Meldungen liest, dass in manchen Städten der Anteil an Einzelpersonenhaushalten inzwischen bei über 40% liegt oder es immer mehr beziehungsunfähige Menschen gibt. Es ist doch kein Wunder, dass man scheu wird, wenn man von den vermeintlich so hoch entwickelten Menschen immer wieder enttäuscht wird. Was bringt es, sich den Menschen zu öffnen, wenn man über kurz oder lang doch hintergangen, verraten, benutzt und weggeworfen wird? Warum soll ich meine Zeit mit einer Spezies verschwenden, die konfliktunfähig bei der kleinsten Kritik jahrelange Freundschaften von heute auf morgen beendet? Warum soll ich mich politisch engagieren, wenn  man sieht, wie in Hinterzimmern die politische Marionetten sich von Lobbyistenpuppenspielern an der Nase herumführen lassen?

„Was blieb uns, als sich langsam zurückziehen?“ ist die Textzeile eines schönes Liedes von Mantus. Mit den Erlebnissen und Beobachtungen besonders der letzten Jahre habe ich mich inzwischen soweit eingeigelt, dass ich kaum noch wen am mich wirklich heranlasse. Nach Außen hin gebe ich mich gerne unnahbar und verschlossen und laufe mit einer Maske durch die Gegend. Dies und die umgebungsgeräuschundurchlässigen Kopfhörer sind mein alltäglicher Begleiter durch das, was die Menschen „Leben“ nennen.

Doch was ist es, dieses Leben? Wir laufen täglich dem Geld hinter her, warten auf Arbeit auf-die-Uhr-glotzend aufs Wochenende, was dann entweder mit Nichtstun oder Aktivitäten gefüllt wird, zu denen man in der Woche nicht kommt. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat das selbe Spiel. Dinge wie Konzerte, Gothic-Stammtische und ähnliches sind schon fast Highlights, nach denen ich mich sehne, um den grauen Alltag… schwarz zu gestalten.

Man soll sich selbst verwirklichen, soll sein Leben selbst gestalten wie man es möchte. Wie man es möchte? Ich möchte gern mal nach Norwegen. Was brauch man dafür? Geld. Und dazu noch ein Transportmittel, bei dem man sich wieder mit dieser Spezies abgeben muss. Wieder müsste man sich unerwünschter Gesellschaft in zu engen Platzverhältnissen hingeben. Und wieder würde man sich über dieses und jenes aufregen. Sieht so Urlaub aus? Entspannung? Das geht nur ohne Menschen. Beziehungsweise: Es geht nur unter Anwesenheit bestimmter Menschen.

Ausschließlich. Bestimmter. Menschen.

 Wenn ich mich unter die Menschen wage, fallen meine Blicke oft auf ihre vierbeinigen Begleiter. Die Leinenhalter interessieren mich nicht. Mit den meisten Hunde fühle ich mich – obwohl ich sie nicht kenne – eher verbunden, als zu den grauen gesichtslosen Einheitsgesichtern der Menschen. Hunde sind ehrlich. Sie zeigen dir, was sie fühlen, was sie wollen. Sie zeigen Ablehnung, Zuneigung, Angst und Freude offen.  Sie verstellen sie nicht. Nicht wie die Menschen. Nicht wie erwachsene Menschen. Kinder sind normalerweise ähnlich ehrlich und offen wie Hunde. Kein Wunder, dass die meisten Hunde gut mit Kindern klarkommen.

„Wer seine Kindheit verschenkt hat, der wird nie gelebt haben.“ und „Erwachsen sein ist halb gestorben.“ Zwei Textzeilen von Relatives Menschsein die gerade passenderweise im Hintergrund den Weg in mein Trommelfell finden. Eine Band, die es leider schon lange nicht mehr gibt. Die Musik – mein täglicher Begleiter und Beschützer durch die Welt der Menschen, für die ich größtenteils nur Verachtung empfinde. Eine Spezies, zu der ich ungefragt dazugehöre… dazugehören muss. An meiner Zimmerwand hängt ein Bild eines Wolfes. Ein Schandfleck ist jedoch auf dem Bild: Auf einer Sprechblase steht darunter: „Mensch, Wald!“. Wald gerne. Aber bitte ohne die in der Sprechblase durchgestrichenen Menschen.

 Der Wolf, der sich einst  den Menschen anschloss und von ihnen teilweise ausgerottet wurde. So danken die Menschen der Natur ihre Offenheit. Ihr Vertrauen. Ausgenutzt hat man die Tiere. So wie es die Menschen immer machen. Alles dem Zweck und dem Nutzen unterordnen.

 Es ist eben nicht der böse Wolf, der täglich Verderben über diese Erde bringt. Es ist der Mensch. Ausschließlich. Alles andere ist der Lauf der Natur.

„Es ist nur die Wahrheit ihrer selbst, die ich in ihren Augen sah.“ (Mantus)

Schakal. Kanid. Wolf? Hund? Anthrophobischer Misanthrop. Gefangen in der Hülle, die sich „vernunftbegabter Mensch“ nennt.

Heute melancholisch. Und ist ist auch meine Themenvorgabe.

 Die Melancholie.

 Weitere Phobiker:

Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
S
ebastian vom Pal-Blog
Mary von indubioprorea
C
helsea mit ihren vielen Dingen
Justine von Justine
the Lord himself

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7 Antworten zu “Blog-Battle 12: Phobie

  1. Ein sehr offener und interessanter Beitrag. Deiner Sichtweise in Bezug auf die Ehrlichkeit von Hunden und Kindern kann ich nur zustimmen. Was die Menschheit angeht, so hoffe ich doch dass sie besser ist als du sie empfindest. Allerdings kommen einige Einheiten der Spezies Mensch deiner Sichtweise schon sehr nahe.
    Auch Du bekommst heute eine 1 von mir.

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