Blog-Battle 9: Körperkult

Hach, die Menschen und ihr ewiger Drang dazu, nach Außen mehr darstellen zu müssen, als sind, befördert jetzt dieses Thema ins Blog-Battle und nötigt mich nach dem quasi inhaltsgleichen Thema Schönheit erneut dazu, mich darüber auszulassen. Zu in meinen Augen sinnlosen Aktionen wie Schminken und Bodybuilding hab ich mich ja schon meinen Senf abgegeben. Es gibt aber noch mehr Zeitverschwendungen, mit denen die Menschen meinen, anderen etwas vorgaukeln zu müssen.

So wird die Menschheit inzwischen so alt, dass die Evolution gar nicht mehr dazu in der Lage ist, das Gleichgewicht zwischen Tod und Leben bei den Menschen einigermaßen zu bewahren. Wenn man sich jedoch so umhört, scheint ins Besondere das Altwerden für viele ein Graus  zu sein. Da gibt es Antiaging-Kram, Anti-Falten-Gedöns, Anti-Harndrang-Gelumpe, Grauhaarübertönzeugs und was weiß ich nicht noch alles, um „Alterserscheinungen“ verblassen zu lassen. Anstatt das Altern und die damit verbundenen Veränderungen als natürlichen Prozess anzusehen, wird so getan, als müsse man ewig jung sein.

Gerade in den Medien trägt dieser Jugendwahn seltsame Blüten. Da werden irgendwelche Moderatoren ausgetauscht, weil sie zu alt sind – aber gleichzeitg eine Sendung moderieren, die sich freiwillig nur Leute ansehen, für die Jugendliche und Veränderungen generell Teufelszeug sind. Nur weil ein 20-jähriger zukünftig den Mutantenstadl oder ähnliche Zombiefreakshows moderieren soll, wird dadurch sich kein Zuschauer der jüngeren Hälfte der „werberelevanten Zielgruppe“ sich diesen Heileweltmist antun. Auch das Einladen von schei(u)nheiligen Adeligen in ähnliche Formate hat daran glücklicherweise nichts geändert.

Noch viel schlimmer sind allerdings Sendungen, in denen suggeriert wird, dass man ausschließlich mit der Körperform eines Striches in der Landschaft eine wirkliche Existenzberechtigung hat. Auf der anderen Seite habe ich auch mit den Protagonisten, die sich für so einen Schund hergeben, wenig Mitleid. Die Formate gibt es samt Informationen zu den ganzen Hintergründen schon lange genug, um selbst herausfinden zu können, dass es solchen Programmformaten lediglich um Sensationsgeilheit und das Aussnutzen der Naivität der Leute ist.

Das gilt auch für perfide Formate, in denen Dicke vorgeführt werden, die dann Namen wie „The Biggest Loser“ tragen, bei denen schon der Name die Dreistigkeit solcher Sendungen deutlich macht. Dass mit „Der größte Verlierer“ nicht die Kilos gemeint sind, scheinen auch hier die Leute, die bei sowas mitmachen, nicht zu verstehen. Genauso kann ich es nachvollziehen, warum man gerade als ach so aufgeklärter und dem Mainstream und Verblödungswahn abgeneigter Gothic  sich Sendungen wie das Dschungelcamp ansieht und nicht versteht, dass man mit dem Konsum solcher Sendungen nicht besser ist, als der Rest von dem man sich doch sonst so gerne abgrenzen will.

Aber auch die vermeintlichen Stars und Eintagssternchen sind nicht gerade ein Vorbild dafür, den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. So entstehen durch Botox und Hautstraffungen wiederwärtige, emotionslose Gesichtsmumien, die wegen ihrer von Solarien entstelt-verbrannten Lederhautfetzen  ungefähr so erotisch sind, wie die Inhaltsstoffe des Silikons in ihren zu Luftballons aufgequollenen Brüsten, die nur dazu dienen, einen Widerstand zu schaffen, um auf Grund der Luft in ihrem Hirn nicht abzuheben.

Wie man anhand dieser ganzen Dinge erahnen kann, habe ich persönlich relativ wenig Probleme mit meinem eigenen Körper und Aussehen. Ich empfinde mich selbst nicht als zu dick oder zu dünn, sondern fühle mich in meinen eigenen Haut recht wohl und verwende außer den üblichen Hygieneartikeln nichts, mit dem ich irgendwas kaschieren müsste. Wer mich auf Grund meines Äußeren nicht mag oder verurteilt, ist sowieso niemand, mit dem ich mich auseinander setzen müsste. Schönheit aus Sicht der Masseund Körperformen sind nichts über das ich mich definiere. Es gibt andere Dinge und Themen, die mir wichtiger sind.

Schakal

Diese Körperbesitzer haben dazu ebenfalls was zu sagen:

Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
S
ebastian vom Pal-Blog
Mary von indubioprorea
C
helsea mit ihren vielen Dingen
Justine von Justine
the Lord himself

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11 Antworten zu “Blog-Battle 9: Körperkult

  1. Mal kein Politiktouch – sehr schön!
    Ob Du in 20, 30 oder 50 Jahren auch noch so denkst… mal schauen 😉
    Bei den ganzen TV-Anspielungen habe ich höchstens die Hälfte verstanden, halte das aber auch gerade nicht unbedingt für eine Wissenslücke und werte es bestimmt nicht negativ.
    2

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  2. Man merkt deutlich dass du dem Thema nichts abgewinnen kannst, aber die Kern-aussagen stimmen ziemlich mit meiner Meinung überein. Deine Begründung über die Daseinsberechtigung von Silikon-brüsten haben mich echt zum schmunzeln gebracht 🙂
    Von mir eine 2-

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