Blog-Battle VI: Randgruppen

Randgruppen – ein bezeichnendes Wort für die Sucht der Menschen, alles und jeden in irgend eine Kategorie  zu unterteilen. Jeder, der nicht mit dem Strom schwimmt und irgendwie „anders“ ist, wird in eine Schublade gepackt. Diese einfachen Denkstrukturen führen dann zu Stereotypen, Vorurteilen, Schimpfwörtern und vor allem Ablehnung und Angst vor dem ach so Fremden und Unbekannten. Wird diese Angst dann noch durch Medien durch einseitige Berichterstattung verschärft, sind wir dann ganz schnell bei Panikmache und dem Mob, der nach Verboten schreit oder aggressiv wird, nachdem er in der BILD die Überschrift gelesen hat.

So gibt es dann in der BILD halt auch spannende Interviews zu lesen wie: „Hat die schwarze Szene besseren Sex?“ Natürlichen bringen solche Überschriften mehr Aufmerksamkeit als „Die Welt aus Sicht eines Gothic“. Auch als Angehöriger der Schwarzen Szene hat man ja immer wieder mit den bekannten Vorurteilen zu kämpfen. Besonders amüsant sind dann Situationen in Gruppen, bei denen man verwunderte Blicke erntet, wenn die im Zug sitzenden Satanisten statt Blut Mineralwasser trinken, lachen und ausgelassen sind und eben nicht planen, das nächste Kinderopfer darzubringen.

Auch Kinder scheinen immer mehr zu Randgruppen zu werden. Nachdem man zur Zeit der Aufklärung feststellte, dass Kinder Individuen mit eigenen Interessen, Wünschen, Ängsten, usw. sind, hat man in der ach so aufgeklärten, heutigen Zeit das Gefühl, dass die Kindheit nur noch ein ungewollter, nerviger Schritt zum grauen Erwachsenensein ist. In diesem Stadium sollen die Kinder nach Wunsch keine Krankheiten haben, schon im Bauch der Mutter das große Latinum und Englisch fließend beherrschen, und als Heranwachsender tot wie ein Zombie dem Unterricht folgen und brav (und vor allem: ruhig) im Zimmer sitzen und mit Barbie und Bauklötzchen spielen oder alternativ RTL glotzen und vorm PC sitzen. Und dabei natürlich schön konsumieren. Rausgehen, kindlich rumschreien und -toben ist böse, da es ja Krach macht und die Wäsche heutzutage nur unter größten körperlichen Qualen in und aus der Waschmaschine genommen und aufgehängt werden muss.

Kinder sind auch so ein Argument, welches bei den Massen die Gemüter auf die Palme bringt. Wird einem Kind etwas angetan, wird stets sofort von „Taten mit pädophilem Hintergrund“ oder ähnlichem gesprochen. Seltsamerweise taucht in Meldungen, in denen es um eine heterosexuelle Vergewaltigung geht, der Begriff der „Tat mit heterosexuellem Hintergrund“ nie auf.  Bei solchen Meldungen wird also eine ganze Gruppe von Menschen (die sich ihre Neigungen ebensowenig aussuchen wie Homosexuelle, Transsexuelle, Zoophile oder Asexuelle) in Sippenhaft genommen für wenige, die sich nicht im Griff haben. Selbiges gilt auch für die Mehrheit von Videospielern, von denen die wenigsten auf die Idee kommen würden, um sich zu ballern. Ein Arbeitskollege trägt dazu passend ein Shirt auf dem steht: Killerspiele machen nicht aggressiv, aber Leute die sowas behaupten.

Auch das Töten von Bäumen, dem Missbrauch der Flüsse durch Begradigungen und Vertiefungen, dem Ausbeuten von Näherinnen in Bangladesch, das Wegwefen eines funktionsfähigen Mobiltelefons zu Gunsten eines neueren Modells, wird nicht als „Tat mit kapilastischem Hintergrund“ bezeichnet. Diese Taten für grenzloses Wachstum sind nicht weniger schlimm als das, was Kindern von Menschen angetan wird. Wenn man das alles nicht mag oder gut findet, wird man dann als Gutmensch, Bio-Freak oder Konsumverweigerer abgestempelt – wieder so ein paar widerliche Namen für Randgruppen.

Wenn über das Roden von Regenwäldern genauso berichtet werden würde, wie über das Morden von Kindern, das Zelebrieren von Massensporteignissen und dem Wetter, würde dies wahrscheinlich so klingen: „Und auch heute starb wieder 1 Baum dafür, dass Sie sich als Teil der Menschheit mit 4-lagigem Klopapier den Arsch abwischen können. Und nun das Wetter für ihren nächsten Urlaub in 10 Jahren auf Mallorca bei 60 Grad im Schatten. Bäume gibts zwar keine mehr, unter die sie sich legen können, aber dafür Sonne satt!“

Als Aussätziger kommt man sich auch vor, wenn man von Sonne satt im Zusammenspiel mit Tropenhitze so gar nichts hält. Während sich schon wieder so viele auf den Hochsommer freuen, graut es mir schon wieder davor, zu schwitzen und trotz Waschens zu stinken wie sonst was. Der Körper läuft gleichzeitig auf Sparflamme, weil er damit überfordert ist, die Körpertemperatur zu halten, während man selbst versucht, dem Drang zu widerstehen, das nächste Eiscafe zu überfallen oder sich permanent eiskalte Getränke zu gönnen. Was bitte ist daran schön, liebe Sonnenhitzeanbeter? Sonne kann auch bei 20-25 Grad schön sein. Da muss man dann auch nicht für beten, dass die Hitze vorbei geht.

Beten ist auch so ein Zeitvertreib von leider viel zu mächtigen Randgruppierungen, den ich nicht verstehe. Es gab Zeiten, da wurde für bessere Ernte gebetet, während auf den Feldern niemand war, um die Arbeit zu machen. Heute wird von Vertretern dieser Zunft von Weltfrieden und einem besseren Miteinander gesprochen, anstatt sich politisch oder ehrenamtlich zu engagieren. Gleichzeitig halten die selben Leute Homosexualität und Atheismus für Sünde, die sie am liebsten genauso wie früher verfolgen würden. Andere, radikale Leute, die im Namen ihrer Religion durch die Welt morden, halten Bildung, Presse- und Meinungsfreiheit für Sünde und rennen dann durch die Welt, um selbiger den Frieden näher zu bringen. Oder so ähnlich.

Leute, die sich für Frieden und ein friedliches Miteinander einsetzen, finden heutzutage auch kaum noch Gehör. Je nach Lust und Laune werden weltweit Sündenböcke gesucht, um Länder zu überfallen oder zu bedrohen, um an deren Rohstoffe, Bodenschätze und Öl zu gelangen. Besonders weit vorn ist hierbei wie so oft das Land der unmöglichen Beschränktheiten und die im Enddarm sitzenden Regierenden aus Deutschland. Und auch hier spielen die Medien wieder schön mit, anstatt sich mal zu fragen, welche beiden Länder noch nie ein anderes angegriffen haben, sondern bislang nur von anderen angegriffen wurden. Die eben genannten gehören nicht dazu.

Von mir aus kann man mich Gutmensch, Russland-Versteher, Ketzer, Spasti oder sonst wie nennen. Was ich jedoch niemals akzeptieren werde ist „CDU-Wähler“. Das wird a) nie passieren und ist b) eine Beleidigung!

Schakal

Teilnehmer:
1. Schakals Gedankenwelten
2. Chaos – Kisa, Mode und chemische Keulen in Form von Kosmetika
3. Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
4. Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
5. Der DychterFyrst – mit seiner Buchstabensuppe
6. Die Lisa von FDLH
7. Sebastian vom Pal-Blog
8. Mary von indubioprorea
9. Chelsea mit ihren vielen Dingen
10.  Dark Lord himself

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8 Antworten zu “Blog-Battle VI: Randgruppen

  1. Nach einem guten Start vom Thema abgekommen, zu politisch und zu wenig battelich. Am Ende bleiben die Frage, ob BILD und RTL am Vortag der Wahl titeln „Wählen Sie auch dieses Mal wieder CDU, damit sie die nächsten 4 Jahre weiter motzen können“ und eine 3- für den Post.

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  2. Auch du bist heute ein wenig sehr abgeschweift, aber dennoch deiner Linie treu geblieben, so dass ich auch wieder sagen kann: Erwartungen getroffen, aber nicht übertroffen. Das wirst du auf deinem hohen Niveau kaum noch schaffen. Wie üblich, wenig zu bemängeln, fast gar nichts. Schade, ich meckere doch so gerne (schließlich bin ich Mitglied der Randgruppe der Nörgler): Note 1, setzen, weiter so 😉

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  3. Die eine der andere Bemerkung schein mir ein wenig überzogen formuliert, was aber allem Anschein nach auch so beabsichtigt ist. Inder Gesamtheit trifft es den Nagel ziemlich perfekt auf den Kopf und deshalb von mir eine 1+

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  4. Heute über 15°C und purer Sonnenschein, vielleicht zum Baden noch etwas kühl, aber sonst vollkommen ausreichend.
    CDU-Wähler sind aber auch gemein… und so viele D:

    Ich gebe dir eine 2+

    Gruß vons Schaf

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  5. Sehr langer, spannender Post. Ich kann hier im Einzelnen gar nicht auf all die Dinge eingehen, die mir gefallen haben, das würde den Rahmen sprengen. 😀 Einfach ein Super-Post: 1+

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  6. wirklich ein sehr guter Beitrag, gefällt mir heute besonders gut 🙂

    Und du hast mich darauf aufmerksam gemacht, das ich bei meiner persönlichen Aufzählung noch zwei Randgruppen vergessen habe. Ich bin nämlich auch noch Vegetarierin und hab ne Sonnenalergie 😛

    Note 1+

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