Blog-Battle V: Fasten

Fasten – mein persönlicher Karneval. Jedes Jahr amüsiere ich köstlich über einige Arbeitskollegen, die im Großraumbüro anderen mit ihren religiös-geprägten Dogmen auf die Nerven gehen. Wie Heidi Klum, die vor einem Teller Nudelauflauf festgekettet wird, werden die Augen immer größer, wenn die Ungläubigen anfangen, lecker Brot mit verschiedenen Belägen, süßen Süßigkeiten oder vermeintlich gesundem Obst in ihre Münder zu schaufeln. Gebetsmühlenartig wird dann „Hach, lasst es euch ruhig schmecken. Ich MUSS ja fasten“ gepredigt. Außer irgendwann mal dem Mann mit der Sense guten Tag zu sagen, müsst ihr gar nichts, also lasst uns in Ruhe essen und hört auf, uns mit eurem selbstgewählten Elend zu nerven. Solche und ähnliche Sprüche durfte sich so manch Vertreter der FastEndenen schon anhören. Wenn man dann doch mal Interesse vorheuchelt, warum diese Leute denn fasten, kommt als Antwort, es würden in irgend einem Buch stehen.

Klammheimlich wird dann aber zugegeben, dass – wenn Klein-Allah im Bett liegt und es nicht sieht -dann doch was gegessen werden DARF und wenn der Quatsch vorbei ist, das Ganze auch noch mit einem Fest gefeiert wird. Fassen wir das Ganze also mal kurz zusammen: Man ernährt sich 11 Monate weitestgehend normal. Der Körper hat sich an den Rhythmus gewöhnt und verlangt zu den üblichen Zeiten nach Nahrung. Dann verwehrt man dem Körper die Nahrung, um dann abends (zu einer Zeit, in der – wenn man so den Tenor von Ernährungsexperten glauben schenken will – man nichts mehr essen sollte) sich den Magen vollzustopfen? Und danach feiert man Feste, in denen man sich wieder die Wampe voll haut. Ernsthaft?

Das ist ungefähr so sinnvoll, wie sich von einem anderen Buch vorschreiben zu lassen, nix zu essen, um sich auf den imaginären Freund zu konzentrieren. Macht man das nicht schon bei den ganzen Gottesdiensten und Gebeten? Ich würde mir als Gott ziemlich verarscht vorkommen, wenn man mich unkonzentriert auf Knien anhimmelt und um Vergebung für die Schandtaten bittet, man aber eigentlich mit den Gedanken an den blonden Chorknaben und damit verbundener Nächstenliebe abgelenkt ist.

Noch ein Argument von Leuten, die fasten, ist die Entgfiftung des Körpers. Es ist also legitim, seinen Körper 11 Monate lang zu vergiften und dann einen Monat lang so zu tun, als würde das ausreichen. Das klingt ungefähr so sinnvoll, wie einen Monat lang aufs Rauchen, Saufen, CDU-Wählen oder Steuern hinterziehen zu verzichten.

Das ist doch alles Unsinn. Das einzig sinnvolle ist doch eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Diese abgedroschenen Wörter werden von Ernährungsexperten genauso gerne verwendet, wie die Phrasen von Religionsanhängern – genauso wie das Wort „Experte“ für Leute, die ihre Meinung zu einem Thema aus der Überschrift der Bild gebildet haben. Doch was ist denn gesund und ausgewogen? Fragt man 3 Experten, hat man 5 Meinungen.

Sofort würde so mancher hier mit Bio-Produkten antworten. Inzwischen gibt es für alles Mögliche die Bezeichnung Bio und zig Siegel und Bezeichnungen, die auf diesen Produkten drauf sind. Aus ökologisch-kontrolliertem Anbau sollen sie sein. Wer, wie, was und wie oft kontrolliert, ist jedoch auf Bio-Produkten genauso wenig zu finden, wie die Herkunft und Liefewege dieser Produkte. Was nützen mir Bio-Produkte, wenn diese aus Indien, Brasilien oder sonst wo herkommen? Das ist nämlich genauso unökologisch wie die konventionelle Fertigung. Das ist ein Punkt, der mir fehlt: Ich würde nur mehr Geld für solche Produkte ausgeben, wenn diese auch aus der Nähe hergestellt, produziert und geliefert werden. Bio-Bananen fallen damit also schon mal weg. Und wer „Bio-Bananen aus Deutschland“ kauft, der glaubt auch daran, dass eine marktkonforme Demokratie oder das Freiheihandelsabkommen alternativlos und gut für Deutschland wäre.

Solange der gesamte Herstellungs- und Lieferprozess von Bio-Produkten genauso intransparent wie bei konventionellen Lebensmitteln ist, sehe ich nicht ein, dem zu glauben, was auf Etiketten steht – übrigens genauso wenig wie Lebensmitteln die „Frei von Mononatriumglutamat oder Geschmacksverstärkern“ sind, aber Hefeextrakt enthalten. Solange es der Lebensmittelindustrie (in der das Wort Industrie nicht zum Spaß vorhanden ist) es so einfach gemacht wird, an allen Ecken und Enden zu tricksen, solange wird es auch keine ausschließlich auf Nachhaltigkeit und Gesundheit ausgelegte Produktion geben. Solange die CDU permanent einknickt, wenn Wirtschaft und Industrie bei der kleinsten Gesetzesänderung aufschreit, solange wird es auch weiterhin möglich sein, mit Bio-Produkten, die keine sind, Geld zu verdienen.

Und noch was kurzes als Randnotiz: Ich bin maximal 1-2 mal im Jahr krank, und das trotz meiner nicht gerade gesunden Ernährung. Altwerden? In dieser Welt? Ich bekomm schon die ersten grauen Haare, weil mich vieles einfach nur noch nervt. So wie Leute, die fasten und meinen, ihrem Körper damit einen Gefallen zu tun.

Schakal

Weitere Teilnehmer sind:


Chaos – Kisa, Mode und chemische Keulen in Form von Kosmetika
Ichigo Komori mit ihrem “The music box of a morbig wonderland”
Das Wetterschaf mit Schafen, Wetter und so
Der DychterFyrst – mit seiner Buchstabensuppe
Die Lisa von FDLH
Sebastian vom Pal-Blog
Mary von indubioprorea
the Dark Lord himself

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5 Antworten zu “Blog-Battle V: Fasten

  1. Unsere Eier tragen keinen Bio-Stempel. Dafür holen wir sie direkt vom Bauernhof und können vorher noch die Produktionsmaschinen dafür begutachten. Die laufen im Hof überall rum, haben viel Platz zum verstecken, scharren und picken (natürlich nur, wenn nicht gerade wieder jemand Geflügel pestet). Im örtlichen EDEKA steht übrigens ein Wegweiser mit Namen, Ortsangaben und Entfernungen der Lieferanten. Äpfel aus dem alten Land, Marmelade vom Kleinbetrieb aus der Region – regional einzukaufen wird immer einfacher.
    Was hat das eigentlich mit Fasten zu tun? Keine Ahnung, aber da zumindest Dein halber Beitrag nicht vom Thema abgekommen ist und sich diverse Schmunzler drin verstecken: 1-

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  2. Musste bei dem CDU running gag lachen. Das mit dem Bio-bashing kann ich schon nachvollziehen, obwohl bei mir das Label „Bio-Deutscher sicher nicht falsch ist.

    Man kann aber sich regional und Bio ernähren,m auch mit verfolgbaren Wegen, aber dafür darf man nicht in den Supermarkt. 😉 Demeter heißt das Zauberwort (stärkstes Bio-Label auf dem Markt) und in meinem kleinen Tante Emma Bioladen kenne ich sogar schon 2 Bauern die liefern, die kommen aus Brandenburg. 🙂

    Ich gebe dir einen 1-.

    nächste Woche: Randgruppe

    dat Maddin

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