Blog-Battle II: Freiheit

Freiheit – ein Thema, dass oft und gerne in unserer Kultur angesprochen wird. Eine Frage, die ich mir jedoch immer wieder stelle, ist: Können die Menschen wirklich in Freiheit leben? Ohne Regeln und Gesetze? An sich lässt sich diese Frage mit einem vermeintlich lustigen Dialog beantworten, welchen ich letztens im Fratzenbuch gelesen habe: „Sei wie du bist“ – „Das verhindert das Strafgesetzbuch“. Auf dem ersten Blick amüsant, bei genauerem Nachdenken fällt jedoch auf, dass der Mensch offensichtlich Grenzen und Regeln braucht, um nicht übereinander herzufallen. Der Mensch möchte sich gerne als das Beste ansehen, was die Evolution geschaffen hat, ist jedoch nur durch Ketten und Handschellen davon abzubringen, sich und andere nicht vollständig auszurotten – auch wenn sie letzteres bei einigen aus Sicht der Menschen niederen Tierarten ja schon geschafft haben.

Ein „schönes“ Beispiel für die Freiheit der Menschen, in die Tierwelt einzugreifen, ist der Yellowstone Nationalpark: Dort wurde in den 1930er Jahren der Wolf komplett ausgerottet, um das Wild zu schützen. Natürlich verhielt sich die Natur dann so, wie sie sich verhält, wenn einer der größten Widersacher verschwunden ist – sie vermehrt sich. Es dauerte „nur“ 65 Jahre, bis der Mensch dann wieder Wölfe ansiedelte, um den Bestand an Wild wieder zu reduzieren. Hätte man die Natur einfach machen lassen, wäre nichts anderes als der normale Lauf der Natur passiert.

Einen anderen Wunsch konnte sich die Menschheit jedoch erfüllen: Die Freiheit, zu fliegen – abgeschaut von den vermeintlich freien Vögeln. Und was sagen dann heute die Menschen, die sich da Flugsicherheitsexperten nennen? Sätze wie: „Vögel gefährden den Flugbetrieb“ oder „Vogelvergrämung ist ein zu vernachlässigen.“ Andersrum wird ein Schuh draus: Der Flugbetrieb gefährdet Vögel. Wiedermal setzen sich die Menschen also wieder über Natur hinweg und vertreiben arg- und hirnlos die Vorbilder, die sie erst in die Luft gebracht haben.

Und wenn man dann schon mal in der Luft ist, kann man ja auch gleich mal in Zeiten von Videokonferenzen mit dem Flugzeug zu Klimaschutzkonferenzen fliegen. Es wäre ja zu viel verlangt, sich mit dem Neuland mal zu beschäftigen. Aber neue Techniken, die die Umwelt und Natur zumindest etwas schonen, würden ja vorhandene Arbeitsplätze gefährden. Wie Volker Pispers hier schon richtig feststellte, müssen sich dann halt mal Arbeitsplätze und Natur mal eine gemeine Lösung finden.

Wie technologischer Fortschritt aussehen kann, sieht man bei der Entwicklung in der Autotechnik. Noch ist es möglich, Elektrotechnik politisch zu verhindern – spätestens jedoch, wenn das Öl alle ist (nachdem man jahrzehntelang der Freiheit fröhnte, mit einer Person in einem Auto 10 Meter zum Bäcker fahren zu müssen) möchte ich nicht wissen, was dann alles so passiert oder kurz vorher schon passiert ist. Schließlich hat ja irgendwer das schöne Öl ausgerechnet in den Ländern verbuddelt, in denen keine Demokratie herrscht. Solange jedoch Wirtschaft und Industrie die Freiheit besitzen, mit veralteter Technik die Umwelt und Natur zu verpesten und zu zerstören und auf den Rücken der Skla…Belegschaft Dumpinglöhne zahlen (und dafür von Aktienbesitzern gefeiert werden), solange bringt es leider sehr wenig, als Privatmann großartig was zu tun – auch wenn dies in enem kleinsten Rahmen schon möglich ist. Erst wenn die breite Masse, Wirtschaft und Industrie zusammen etwas ändern, erst dann werden wir Szenarien, wie sie von Schwarzer Engel so gerne besungen werden, vielleicht verhindern können.

Damit komm ich dann gleich mal zu einer der Freiheiten, die aus meiner Sicht am allermeisten für andere Dinge und Taten missbraucht wird: Religionsfreiheit. Von mir aus kann jeder glauben und denken, was er will, solange die daraus resultierenden Handlungen nicht andere gefährden oder missionieren. Sowohl Religionen als auch Ersatzreligionen wie Vegetarismus oder Veganismus schaffen es jedoch immer wieder, sich über andere zu stellen und damit hausieren zu gehen, was man doch für ein besserer Mensch man sei. Solchen Leuten sei WIZO’s Raum der Zeit nahegelegt. Noch schlimmer wird die Sache, wenn man es wagt, Religionen und Ersatzreligionen zu kritisieren, zu veralbern und sonstiges. Doch auch diese eine Sache gehört dazu – auch wenn das insbesondere Religionsangehörige natürlich anders sehen: Meinungsfreiheit. Wer hat eigentlich mal die Atheisten gefragt, was sie davon halten, jeden morgen von religiösem Gebimmel genervt zu werden? Mir persönlich wäre eine religionsfreie Welt lieber. Schon gäbe es gleich mal viele Konflikte weniger.

Gerade die Meinungsfreiheit jedoch ist ein Grundrecht, welches auf Grund der Einschränkungen herbeigeführt durch Persönlichkeits-, Jugend- und Verfassungsschutz quasi ad absurdum geführt wird. Inwiefern diese Einschränkungen ohne Zensur durchzusetzen sind, die es ja natürlich nicht gibt, habe ich allerdings noch nicht so ganz verstanden. Als erwachsener Mensch möchte ich mir nämlich zum Beispiel die Freiheit nehmen, mir Filme anzusehen, ohne dass irgendjemand meint, dies wäre inakzeptabel, zu grausam oder sonst was. Das möchte ich gern selbst entscheiden (und zur Not aus zum Beispiel Österreich importieren). Werden nach der jetzt erfolgten Gesetzesverschärfungen eigentlich RTL, Bild & Co. verboten? Immerhin tragen unter anderem diese Medien ja dazu bei, dass Dinge über Personen veröffentlicht werden, die die Würde dieser Person gefährden. Wobei man sich ja fragen muss, ob Leute, die ins Dschungelcamp gehen, mit dem Begriff Würde überhaupt noch was anfangen zu wissen.

Für eine umfassende Meinungsbildung ist das Recht auf freie Information immens wichtig. Dank das Internets war es nie so einfach, sich über verschiedene Kanäle zu informieren, auch wenn man auf Grund der Fülle an Informationen schon aufpassen muss, sich mit selbigen zu überfrachten. Auch finden sich im Internet natürlich auch Inhalte, mit denen man sich nicht identifizieren oder auseinander setzen möchte – doch auch dies hat, ähnlich wie die Demokratie, das Internet gefälligst auszuhalten.

Selbiges gilt auch für Demonstrationen. Das Recht, für seine Interesse und Meinungen, halte ich für einen enorm wichtigen Teil des Begriffs Freiheit. Womit ich allerdings überhaupt nicht einverstanden bin, sind in Gewalt eskalierende Aktionen – unabhängig davon, von welcher Seite diese ausgeführt werden. Solange es Menschen gibt, die (egal ob auf Demonstrationen, aus angeblich religiösen, fanatischen oder sonst was für Scheingründen) auf Krawall aus sind, solange wird sich mein Bild der Menschen nicht ändern. Oder um es mit Hagen Rether zu sagen: Einfach mal [die anderen Menschen] in Ruhe lassen.“

Schakal

Weitere Teilnehmer:
1. Chaos – Kisa
2
Ichigo Komori
3
Das Wetterschaf
4
Die Lisa von FDLH
5
. Dark Lord

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13 Antworten zu “Blog-Battle II: Freiheit

  1. Also hierzu passt deine nüchterne Eigenart zu schreiben sehr gut zu dem Thema. Mit anderen Worten: das was ich beim letzten Eintrag zum Blogbattle kritisiert habe, passt hier sehr gut.

    Von mir gibt es ebenfalls eine 1

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  2. Wie heißt es so schön: Die Freiheit des Einen ist die Unfreiheit des Anderen.
    PS: Bei RTL & Co. brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen: Bevor die etwas Negatives über existierende Personen publizieren können, müssten sie erst mal anfangen, Nicht-Erfundenes zu publizieren 😉

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    • Das ist wohl wahr, wobei im Lügenmärchen verbreiten auch die Öffentlichen teilweise ganz gut dabei sind. Aber immerhin gibt es dort noch Formate wie die Anstalt, die man sich ansehen kann. Sowas vermisst man auf den Privaten vollkommen.

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  3. Oh, ein Thema bei dem ich mein Schweigen als Leser brechen muss.

    Ja, ich stimme grundsätzlich deinen Ausführungen – sowie deinem „Geist“ zu. Ich maß mir an zu wissen, dass du es „gut“ meinst, ein wenig kenne ich dich ja.
    Doch natürlich stößt mir dieser Teil am meisten auf:

    „[…]bei genauerem Nachdenken fällt jedoch auf, dass der Mensch offensichtlich Grenzen und Regeln braucht, um nicht übereinander herzufallen.“

    Offensichtlich?
    Ja, die Welt ist schlecht und böse… das meine ich nicht mal sarkastisch – das ist leider Realität. Doch dies ist sie bereits TROTZ aller Gesetze und eines um sich greifenden Rechtspositivismus. Ich mag gar nicht zu technisch oder wissenschaftlich werden, doch ist der Mensch nach seiner Geburt nur in einer einzigen Sache wirklich „gleich“ und das ist eben die „Freiheit“. Sicher wird diese direkt danach von Institutionen und Menschen „kassiert“, dies ist aber kein „Beweis“ für die Unmöglichkeit von Freiheit oder der Haltung: „mit Freiheit kommt das Chaos“.

    Sicher kommt man ohne eine Definition vom Begriff der Freiheit nicht aus. Freiheit endet immer automatisch dort, wo andere Freiheit beginnt. Ein freier Mensch kann nicht „machen was er will“. Es behindert ihn – neben der Physik (man kann nicht Fliegen) und die Knappheit (man lebt nicht ewig und es gibt kein Garten Eden) – die Freiheit Anderer.
    Daher:

    Freiheit heißt über sich selbst verfügen zu können, ohne der Willkür Dritter ausgesetzt zu sein oder Dritte der Willkür aussetzen zu wollen.

    Dritte können alle möglichen Gesellschaftsbereiche sein: Staat, Schule, Kirche, Ämter, aber auch die Familie. Freiheit ist für mich die Absetzung der Herrschaft vom Mensch über den Mensch. Daraus resultiert kein Chaos oder wildes Gemetzel. Erst die Herrschaft ermöglicht dies und das in einem beispiellosen Umfang wie uns die Geschichte immer wieder lehrt.
    Die Gesellschaft darf nicht verstanden werden als Quell von Harmonie und Ordnung. Natürlich gibt es Konflikte, natürlich gibt es Gewalt. Dies gehört zum menschlichen Wesen und zur Kommunikation. Doch ist es meiner Ansicht nach entscheidend, dass die Gesellschaft dies mit sich selbst ausmachen muss und nicht Probleme von Institution zu Institution abschiebt.

    Dieser Kommentar wird zu lang wie ich merke. Mir sei noch der Hinweis gestattet das es sich in Glauben an die Ordnung durch das Gesetzt (oder dem Rechtspositivismus) ebenfalls um einen Religionsersatz handelt. Religionsersatz ist auch nichts Schlimmes. Der Mensch kann nicht ohne Glauben. Ich glaube für meinen Teil eben an die Freiheit und an die jedem Menschen angeborene Vernunft.

    Mit freundlichem Gruß,
    der Verkäufer der manchmal auch die Zeit tot schlägt… ; )

    Ach PS:
    auch von mir ein Musikalischer Verweis, der meiner Einschätzung recht nahe kommt. Durch das ständige „verhätscheln“ durch die verschiedensten Institutionen, sind wir zu einer echten Freiheit nur noch sehr schwer in der Lage:

    Schorsch Kamerun – Unabhängigkeit ist keine Lösung für moderne Babies

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    • Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, den ich so unterschreiben kann. Sehe ich genauso. Das verlinkte Video werde ich mir mal ansehen, wenn mein derzeitiger privater Stress etwas abgeklungen ist.

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      • Ist ja nur ein Song, aber Schorsch Kamerun sowie „Die goldenen Zitronen“ sind grundsätzlich einen Blick wert. Nichts für Jedermann, aber so soll´s ja auch sein!
        ; )

        Für gute Zitate und eine sehr „griffige“ Kritik an Staat und Zwang empfehle ich unbedingt noch Georg Kreisler. Der Zweck der Kirche ist ein muss und in meiner Interpretation auch übertragbar auf: „Den Zweck des Staates“.

        Wir sind alle alle Terroristen…

        So und nun les ich mich mal durch die neuen Beiträge hier… : )
        (komme quasi frisch aus dem Urlaub)

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