Ein Tag im Leben eines Ausländerfeindes

Nach einer lauten Partynacht bei ihm zu Hause wird der gemeine Ausländerfeind sanft von seinem Mobiltelefon eines südkoreanischen Herstellers, der sein Produkt in Südkorea und China unter anderem von Kindern fertigen lässt, geweckt. Er steht aus seinem in einem dänischen Bettenladen gekauften Bett auf. Zunächst überprüft er, ob er in einen amerikanischen Kurznachrichtendienst oder in einem amerikanischen, sozialen Netzwerk neues findet. Dort liest er, dass seine Mutti abgehört wird. Sowas regt ihn auf.

Er schaut auf eine Uhr einer italienischen Marke, die die Wochentage und das Datum in amerikanischem Format mit Schriftzeichen der lateinischen Sprache anzeigt. Er zieht sich in Bangladesch gefertigte Kleidung an, um danach beim Frühstück aus einem Brotscheibenaufheizgerät aufgeheizte Brote zu essen. Dies tut er von Tellern, die in der Türkei gefertigt und in einem schwedischen Möbelhaus nach Beratung durch eine polnische Fachkraft gekauft und an der Kasse bei einer südafrikanischen Kassiererin mit einer Kreditkarte einer schottischen Bank bezahlt wurden. Als Nachtisch gibt es Cerealien eines französischen Süßwarenherstellers. Sein Nachbar über ihm wagt es, Staub zu saugen und dabei etwas Krach zu machen. Sowas regt ihn auf.

Anschließend schaltet er seinen persönlichen Rechner ein, dessen Bestandteile und Rohstoffe aus der ganzen Welt kommen. In dem von einem amerikanischen Programmentwickler entwickelten Internetzseitenanzeigeprogramm mit englischem Namen besucht er die Internetzseite eines amerikanischen Händlers, der durch mehrere Tochterfirmen in Luxemburg und Irland quasi keine Steuern zahlt. Nebenbei trinkt er Kaffee aus Äthiopien aus dem Becher eines amerikanischen Unternehmens, dass durch mehrere Tochterfirme im Ausland quasi keine Steuern zahlt. Als er die Nachrichten sieht, wird von Kinderhandel und -ausbeutung in Thailand berichtet. Sowas regt ihn auf.

Nachdem er mit Hilfe eines Verschleierungsprogramms mit einer österreichischen Internetzzuweisungsadresse sich beim Anschauen einer thailändischen Produktion auf einer russischen Webseite für Erwachsene erleichtert, schaltet er seinen Fernseher eines niederländischen Elektronikherstellers, den er auf der Internetzseite eines amerikanischen Auktionshauses günstig aus China importiert hat, ein, um dort eine auf Deutsch synchronisierte Dokumentation eines britischen Dokumentationssenders über die schlechten Arbeitsbedingungen in Asien zu sehen. Sowas regt ihn auf.

Anschließend setzt er seine Kopfhörer eines österreichischen Herstellers auf und hört auf seinem Mobiltelefon Musik englischer Sprache und begibt sich aus seiner Wohnung, die in einem Mehrfamilienhaus eines Vermieters aus Frankreich untergebracht ist, zur Straßenbahnhaltestelle, die erst kürzlich von einer polnischen Baufirma und unter anderem kasachischen Arbeitern behindertengerecht ausgebaut wurde. Befördert wird er von einem Fahrer ukrainischer Herkunft in einem Straßenbahnwagen eines kanadischen Herstellers, dessen Einzelteile aus der ganzen Welt kommen, zu einer Demonstration, die in ihrem Namen ein Wort enthält, dass über das Griechische und Lateinische den Weg ins Französische und dann ins Deutsche fand. Ihm gegenüber sitzt ein Mann aus Dubai, der eine deutsche Tageszeitung liest, deren Schlagzeile „So wenig Steuern zahlen große, internationale Unternehmen.“ Sowas regt ihn auf.

Nachdem er seinen Hass an einer dunkelhäutigen Familie mit deutschem Personalausweis ausgelassen hat, geht er in eine urdeutsche Gaststätte mit einem großem M um dort ebensolche Speisen zu verzehren. Diese bezahlt er bei einer türkischen Bedienung mit Münzen, die griechische Prägungen zeigen. Danach geht er in eine Disko, vorbei an einem albanischen Türsteher, um dort mit Menschen aller Nationalitäten zu musikalischen Klängen zu feiern. Dort trifft er dann spätnachts einen Bekannten, mit er dann in dessen schwedischem Wagen nach Hause fährt. An der Hauswand unter den Fenstern wurde etwas hingeschmiert: „Vermietet nicht an Ausländerfeinde.“

Sowas regt ihn auf.

Schakal

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s