Wohnungssuche

Ist man momentan auf Wohnungssuche, erlebt man nicht selten kuriose oder seltsame Dinge und eine  Regierung, die – wie so oft – vor dem Lobbyismus einknickt. Dadurch, dass meine Eltern und ich derzeit auf Wohnungssuche sind, habe ich einen schönen Überblick über die beiden „Welten“ Stadt und Land bekommen.

Die erste Falle, in die man als Ortsfremder treten kann, sind Eingemeindungen und Dorfzusammenschlüsse. So kann es passieren, dass sich mehrere Dörfer zu einer Stadt zusammenschließen, obwohl diese kilometerweit auseinander liegen und auch noch in ihrer Charakteristik, in ihrem Angebot an Infrastruktur und in der Bevölkerungsstruktur sehr unterschiedlich sein können. So entsteht dann der Schein, dass man doch in eine vergleichweise größere Stadt zieht und man manche Dinge dann erst dort feststellt, wenn es zu spät ist. Denn gerade Dinge wie Lebensmittelläden, Bäcker, Cafes, Banken, usw. werden in ländlichen Gebieten ja doch nicht so schnell z.B. in Onlinenachschlagewerken aktualisiert. So bleibt gerade in diesem Bereich viel Recherchearbeit nicht erspart, wenn man (auch im Falle von Eingemeindungen) nicht „Am Arsch der Welt“ im Arsch der Welt wohnen will.

Auch sollte man meinen, dass es gerade in ländlichen Regionen schönen und ausreichend großen Wohnraum gerade für Familien mit Kindern und/oder Haustieren gibt. Wir schütteln regelmäßig den Kopf, wenn wir die gar nicht mal so seltenen Angebote lesen, die dann dem Grundtenor „4 Zimmer-Wohnung, 100 m², an maximal (!) 2 Personen, keine Kinder, keine Haustiere.“ entsprechen. Was soll das bitte? Auf der einen Seite wird sich über Landflucht beschwert, auf der anderen Seite gibt es dann solche Wohnungsangebote. Dann gibt es (zumindest dort) noch das Phänomen, dass vergleichbare Wohnungen teurer als in der an sich noch teureren Hauptstadt, die gut 30 Bahnminuten entfernt ist. Ein attraktiver, ländlicher Wohnraum sieht anders aus.

Ein sehr beliebtes Mittel der Vermieter scheint es auch zu sein, Wohnungen mit Erstbezug nach Sanierungen für Mondpreise nach dem Motto „Irgend ein Iditot wird da sicher schon Geld für ausgeben“. So wurde bei meinen Eltern eine entsprechende Wohnung angeboten, die noch mal gut 200 EUR warm über dem sonst dort üblichen auch schon übertrieben-hohen Schnitt lag. Als sich dann über Monate niemand fand, wurde die verlangte Miete immer weiter reduziert und liegt jetzt im dort üblichen Schnitt. Es war dann wohl doch keiner so doof, diese Preise zu bezahlen.

Doch auch hier in der Großstadt gestaltet sich die Wohnungssuche  schwer. Kleiner Wohnraum ist hier auch auf Grund der Universtität gefragt und sehr knapp. So kann man hier schon mal davon ausgehen, dass man mit 10 € Warmmiete pro Quadratmeter rechnen kann. Und das selbst für unsanierte Altbauwohnungen mit Holzfenstern, bei denen die Strompreise auf Grund oftmals noch verbauter (und alter) Gasthermen (die nicht selten für Warmwasser und Heizung verantwortlich sind) dann auch nochmal einen ordentlichen Teil der Fixkosten ausmachen. So gibt es dann auch Vermieter, die entsprechende Wohnungen verfallen lassen und trotzdem bei jedem Auszug die Miete um das maximal mögliche erhöhen, ohne auch nur einen Cent in die Wohnung zu stecken. So würde ich für die beschriebene Altbauwohnung jetzt 60 EUR mehr Kaltmiete zahlen, als ich dies vor meinem Auszug vor 3 Jahren tat.

Diese Art von Vermieter ist jedoch eine der wenigen, die die Mietpreisbremse trifft. Also… ein wenig. Ansonsten sind die Ausnahmen wieder so massiv, dass die Mietpreisbremse an der Gesamtsituation kaum was ändert. Weiterhin suchen sich Vermieter die Mieter mit der besten Bonität heraus, weiterhin besteht ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum – besonders in Ballungszentren. Es lindert lediglich die Steierungungen für zukünftige Vermietungen. Diese dürfen dann „nicht höher steigen als im Ortsvergleich üblich“. Das ist so, als wenn man in einem Sportwagen, der 300 km/h fahren kann, eine Sperre einbaut, die nur 200 erlaubt und mit jedem Besitzerwechsel der Wagen 30 km/h mehr fahren darf, und das ganze dann mit Umweltschutz begründet. Auch verschläft es die Stadt, bezahlbaren Wohnraum gerade in diesem Bereich zu schaffen. Stattdessen werde hochpreise Miet- oder Eigentumswohnungen gebaut und die „kleinen Leute“ mal wieder vernachlässigt.

Wie auf dem Land ist aber auch in der Stadt zu beobachten, dass die derzeitige Siutation nicht gerade dazu beiträgt, dem demographischen Wandel entgegenzuwirken: Auch hier gibt es einige Vermieter, die Wohraum für Familien wie  beschrieben anbieten. Da werden aus Kinderzimmern „Gästezimmer“ oder ein „2. Schlafzimmer“ oder gar „Abstellräume“, wobei letzteres auf Grund der ‚Größe‘ mancher Kinderzimmer eine durchaus berechtigte Bezeichnung ist. Ist man dann so dreist und hat mehr als 1 Kind, gilt man dann gleich als Sozialfall, der dazu auch noch Lärm macht, der die ruhebedürftigen Altenheimkandidaten stören könnte.

Hat man dann neben Kindern vielleicht noch Haustiere ist es gleich ganz vorbei. Auch hier stellt man sich die Frage, wie man die Tierheime leer bekommen soll, wenn Tier-, insbesondere Hundeliebhaber bei 3/4 der Wohnungsangebote ausgeschlossen werden? Ich für meinen Teil habe lieber Hunde oder das Geräusch spielender Kinder um mich rum, als plärrende Erwachsene, die grundlos den ganzen Tag rumschreien, Erwachsene die bis spät nachts anderen ihren Musik’geschmack‘ aufzwängen müssen, alte Damen und Herren die sich als Polizei aufspielen und die Nachbarschaft terrorisieren und so weiter.

Schakal

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Eine Antwort zu “Wohnungssuche

  1. Der Gegenteil ist auch oft der Fall. Als ich als Alleinstehender eine bezahlbare 2-Raum-Wohnung gesucht hatte, gab es schon das eine oder andere nette Angebot – allerdings nur auf §5-Schein. Was bitte soll ein Hartz4-Bezieher mit einer großen Terrasse? EBK, 2 große Zimmer, Garten … Und ich als qualifizierter Facharbeiter bekomme dafür ein Loch in einer Kaserne? Wo sind da die Relationen?

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