Eine Bahnfahrt, die ist…

… auf Grund des Verhaltensweisen der Spezies Mensch eigentlich nur noch mit einem gepflegten Schlagen Kopf gegen die Fensterscheiben zu ertragen. Da jedoch der positive Effekt des Wachstums im Fensterbaubereich meinem Wunsch nach einem kopfschmerzfreien Tag entgegensteht und ich kein Freund der Ersatzreligion namens „Wachstum über alles“ bin, müssen es ein paar Zeilen hier tun. Inspiriert von meinem Leidenskollegen Dark Lord fallen mir auch noch so einige Stilblüten menschlichen Verhaltens ein, die mir in Erinnerung blieben:

Szenario 1 findet an einem Samstagsehrfrühmorgen, an dem ich Arbeiten musste. Wer mich kennt, weiß, wie man mit mir morgens umgehen sollte: Gar nicht, liegen lassen, ignorieren, hier gibt’s nichts zu sehen. Falls man das nicht weiß, könnte ein Gesichtsausdruck helfen, der eindeutig sagt: SPRICH. MICH. N – I – C – H – T. AN! Falls man auch das nicht realisiert, oder im Laufe seines Lebens Empathie verlernt hat, ist man vielleicht dazu in der Lage, anhand der Kopfhörer (richtige, nicht diese In-Ear-Dinger) zu erkennen, dass diese Person VERDAMMT NOCH MAL IN RUHE GELASSEN WERDEN WILL! Alternativ könnte man auch den Blick in die Bahn werfen, und sehen, dass außer ein paar lebenden Toten (und damit ist nicht die mir gegenüberstehende Person gemeint) die Bahn LEER ist. Diese Person, die ich durch die etwa 3/4 geschlossenen Augen, dennoch mehr als nötig wahrnehmen muss, steht – bzw. wackelt – seit 5 Minuten vor meinem Blickfeld rum. „Warum setzt sich dieses verwelkte Friedhofsgemüse nicht auf die vielen freien Plätze? Die will nicht ernsthaft sich auf meinen Platz setzen?“ geistert mir durch zusammen mit einigen Mordgedanken durch den Kopf.

Irgendwann bemerke ich, dass mich jemand an den Schulter antippt. Ich schlug den Arm zur Seite. „Ich bin nicht gerontophil und noch ein Mal und Sie können an der nächsten Station schon mal probeliegen“. entfuhr es mir mit einem gaaanz leicht gereizten Tonfall. „Ich WILL hier sitzen“, vernahm ich gezwungenermaßen in der Pause zwischen 2 Liedern. Die Betonung auf das Wort ‚will‘ schien zu bestätigen, dass manche im Alter wieder in die Verhaltensmuster von Kleinkindern zurückfallen. „Ich will, dass Sie Ihr Hirn benutzen.“ Demonstrativ blieb die Schabrake vor mir mit verschränkten Armen stehen. Als ich aufstehen will, um die Bahn zu verlassen, versperrt diese Person mit den Weg. In diesem Moment macht die Bahn eine Vollbremsung und die Person landet unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Wort- und regungslos verließ ich die Bahn.

Im 2. Szenario stieg ich in eine Bahn ein, die an einem Endpunkt stand und in Kürze losfahren sollte. Als der Fahrer die Türen schließen wollte, trat eine Frau auf die Trittstufen (bei deren Betätigung hier die Türen offen bleiben, bzw. sich wieder öffnen). „Los die Bahn schaffst du noch“ hörte ich sie lauthals in Richtung der Fußgängerampel rufen. Nach gut einer Minute bat der Fahrer, die Türen freizugeben, damit er losfahren kann. Keine Reaktion und weit und breit keiner zu sehen. Inzwischen fuhr auf dem 2. Gleis daneben eine weitere Bahn ein, die 8 Minuten später in dieselbe Richtung fahren würde. Nach 3 Minuten und einigen berechtigterweise unfreundlichen Worten des Fahrers aus den Lautsprechern ging’s dann los. „Ist der aber unfreundlich. Aber jedes Jahr die Preise erhöhen“. Wenn ich dieses Argument noch einmal höre, dann… Die beiden wollten dann an einer Umstiegsstation in die Bahn am Gleis gegenüber in eine andere Richtung steigen. Die Umstiegsbeziehung zwischen den Bahnen klappt natürlich nur, wenn beide mit Toleranz von einer Minute pünktlich sind. Natürlich war die Bahn schon weg, was beide mit entsprechendem Gezeter über die Langsamkeit der Bahn quittierten. Die Selbstreflektion, dass die beiden Verursacher der Verspätung war dank Tunnelblick natürlich nicht zu erwarten.

Zum Abschluss noch ein lustiges Erlebnis, welches sich an einem dieser unerträglich heißen Tage jenseits der 30 Grad dieses Jahr ereignet hat und auch mit ein Grund ist, warum ich die kühleren Jahreszeiten bevorzuge: Die Menschen verdecken ihre unansehnlichen Körper hinter genug Kleidung. Im Sommer meint jeder, zusätzlich zum hirnfrei auch noch bauch-und-was-sonst-noch-alles-was-man-nicht-sehen-will-frei rumlaufen zu müssen. Ich für meinen Teil mag das Zeigen von nackter Haut weder bei dem Massenstandard entsprechenden Körperformen, noch anderen. Eine besondere Form musste ich dann ertragen, als an einer Haltestelle eine Dame Mitte 20 einstieg, die von der Körperform Rainer Calmund in nichts nachstand. Dazu trug sie ein längs gestreiftes Top (?), welches nicht mal bis zur Hose ging. Entsprechend bahnte sich die Leibesfülle ihren Weg, auch zwischen Top und Hose durch. Ein entsprechender Kommentar eines Jungen zu seinem Vater, der neben mir saß, brachte mich dann doch zum lachen: „Guck mal Papa, die Frau da kann sich nicht richtig anziehen“. Unter schallendem Gelächter verließ die Frau mit hochrotem Kopf an der nächsten Station die Bahn. Kindermund… Und trotzdem werde ich auch weiterhin gerne Bahn fahren und die Lebensform beobachten, die zumindest dafür Sorge trägt, dass Blogschreiber verschiedenster Themen immer was zu tun haben werden.

Schakal

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